Scheytt bald freier Berater

Ruhr.2010

ESSEN Nach der Abwicklung der Ruhr.2010 GmbH im kommenden Jahr wird ihr Geschäftsführer Oliver Scheytt ab 2012 als freier Berater tätig. Zu diesem Schritt hat sich der 52-Jährige nach Spekulationen über seine berufliche Zukunft an der Spitze einer Nachfolgegesellschaft durchgerungen.

von Von Bernd Aulich und Bettina Jäger

, 03.12.2010, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Oliver Scheyt, Geschäftsfüher der Ruhr.2010 GmbH, will in Zukunft als freier Berater arbeiten.

Oliver Scheyt, Geschäftsfüher der Ruhr.2010 GmbH, will in Zukunft als freier Berater arbeiten.

Für einen solchen Posten "stehe ich nicht mehr zur Verfügung", sagte Scheytt vor dem Historischen Verein im Essener Haus der Geschichte. "Ich mache mich 2012 selbstständig", kündigte der Kulturmanager an. "Das macht mich unglaublich frei."Eine Million für Museen Scheytt wird nach Ablauf des Kulturhauptstadt-Jahres noch ein Jahr lang als Geschäftsführer tätig sein, um das Organisationsteam Schritt für Schritt bis auf fünf Mitarbeiter im letzten Quartal abzuschmelzen. "Wenn man schlau ist, hält man einige gute Leute hier." Als Vorsitzender der Geschäftsführung tritt der 72-jährige Fritz Pleitgen in den Ruhestand. Mit Pleitgen habe er sich "von Anfang an bis heute hervorragend verstanden", versicherte Scheytt.Eine Großstadt gegen Eigenanteil bei Finanzierung Den 53 Gemeinden der Kulturhauptstadt riet er, nicht wieder in das "Denken in alten Strukturen" zurückzufallen. Die Abkehr von lokalen Egoismen ließe sich allerdings "nur durch Geld, Charisma oder Macht" ändern. Als Beispiel nannte Scheytt die Bewilligung eines Landeszuschusses von einer Million Euro im Laufe der nächsten drei Jahre für die 20 RuhrKunstMuseen. "Bis auf eine der größten Städte, welche das ist, verrate ich nicht", hätten alle einem bescheidenen Eigenanteil von 3500 Euro zugestimmt (Anm. der Red.: es soll sich ausgerechnet um Essen handeln).Nachfolger: Regionalverband Ruhr oder neue Gesellschaft? Gleichzeitig ringen hinter den Kulissen alle Beteiligten um die Fortführung der Kulturhauptstadt-Erfolge. Die Gretchenfrage heißt: Übernimmt der Regionalverband Ruhr (RVR) die Folge-Aufgaben? Oder gründet sich eine neue Gesellschaft - vielleicht mit dem Titel "Ruhr.2020" ? Der RVR ist überzeugt, die vielen neuen Ideen dieses Jahres weiterführen zu können. "Der RVR möchte wieder stärker Träger der regionalen Kulturarbeit werden", betonte Sprecher Jens Hapke. Die RVR-Töchter "Ruhrgebiet Tourismus" (RTG) und "Wirtschaftsförderung metropole ruhr" (WMR) könnten das abdecken. "Die RTG stellt jedes Jahr die Extraschicht auf die Beine", betonte Hapke.Für Auflösung der Ruhr.2010 GmbH votiert Wohl deshalb hat der RVR-Verbandsausschuss bereits dafür votiert, die Ruhr.2010 GmbH Ende 2011 aufzulösen. Die letzte Entscheidung fällt die Verbandsversammlung am 13. Dezember. An diesem Tag wird der RVR außerdem diskutieren, ob die 53 beteiligten Städte 2,4 Millionen jährlich für eine Nachfolgegesellschaft aufbringen wollen. Zumindest das dürfte laut Jörg Stüdemann, Kulturdezernent aus Dortmund, klappen. 230 000 Euro hätte zum Beispiel Dortmund jährlich zu zahlen - ein gutes Geschäft, denn die Kulturhauptstadt hatte die Übernachtungen in der Stadt um 15 Prozent steigen lassen und Millionen in öffentliche und private Kassen gespült. Die Kulturdezernenten votieren, was die Nachfolge der Ruhr.2010 GmbH angeht, übrigens für eine "Zukunftsstiftung Metropole Ruhr", die die geplante "Zukunftsakademie Interkultur" in Bochum aufnehmen könnte. Landesgelder gefährdet? Und was meint die Ruhr.2010 selbst? Sie wird bei einer Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche ihre Meinung bilden. Allerdings: Gehen die Nachfolge-Aufgaben im RVR auf, sieht man dort die zusätzlichen 2,4 Millionen Euro in Gefahr, die das Land NRW wohl in eine Nachfolgegesellschaft zu pumpen bereit ist. Eine Alternative bestünde im Zusammengehen mit der "Kultur Ruhr GmbH", die schon jetzt das Festival Ruhrtriennale organisiert. Hier ist das Land bereits finanziell stark beteiligt und hätte wohl keine Bedenken, zusätzliche Gelder für die Weiterführung der Kulturhauptstadt-Aufgaben zu überweisen.

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