Schier nicht mehr von dieser Welt

Philharmonie Essen

Schon Mahlers dritte Sinfonie allein ist abendfüllend. Jonathan Nott aber kombinierte das gewaltige Werk bei seinem Konzert am Samstag mit seinen Bamberger Symphonikern in der Philharmonie Essen noch mit dem 25-minütigen Liedzyklus "Correspondances" des Franzosen Henri Dutilleux.

ESSEN

, 10.04.2016, 13:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jonathan Nott

Jonathan Nott

Und er brachte dafür eine zusätzliche Solistin mit: Barbara Hannigan, deren Einspielung des Werks vor drei Jahren mit dem Gramophone Award ausgezeichnet worden ist.

Ausnahmeinterpretin

Auch in Essen erwies sich die kanadische Sopranistin als Ausnahmeinterpretin dieser von der Textauswahl her so disparaten Komposition, in der neben Gedichten von Rilke und des aus Bangladesch stammenden Prithwindra Mukherjee auch Briefe von Alexander Solschenizyn und Vincent van Gogh vertont sind.

Ein sinnlicher Lyrismus war da zu hören, fließende Töne, die Stimme wie ein Orchesterinstrument eingesetzt. Alles auswendig vorgetragen: großartig!

Schroffe Töne

Dem Impressionismus bei Dutilleux stellten Nott und sein Orchester anschließend bei Mahler einen vehementen Expressionismus gegenüber - zumindest im ersten Satz. Mit der Unerbittlichkeit eines Imperators forderte der Dirigent hier schroffe Töne heraus, und Posaunist Johann Voithofer sorgte mit seinen Soli für Glanzlichter.

Danach ging es in die Pause, die rund 100-minütige "zweite Abteilung" mit den Sätzen zwei bis sechs folgte danach. Jonathan Nott und die Bamberger Symphoniker erreichten hier eine zunehmende Vergeistigung, zu der die ganz in sich ruhende Altistin Gerhild Romberger und dann auch die Essener Choristen aus Philharmonischem Chor, Aalto-Kinderchor und Mädchenchor am Essener Dom beitrugen.

Spätestens der besonders langsam genommene Schlusssatz aber war mit seiner Innerlichkeit und seinen Steigerungswellen schier nicht mehr von dieser Welt.

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