Schildkrötensoldat

Melinda Nadj Abonji

Aus zwei Perspektiven, aber jeweils in der ersten Person erzählt Melinda Nadj Abonji ihren Roman „Schildkrötensoldat“. Da ist die Cousine von Zoltan. Sie erinnert sich an den seltsamen Jungen.

10.10.2017, 13:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

Sie macht sich von Zürich aus auf den Weg nach Serbien und sucht sein Grab auf. Fährt auch zu der Kaserne, in der er stationiert war.

Und dann sind da noch die Erinnerungen von Zoltan, die bewusst infantil gehalten sind. Das fantasievolle Kind hat es schon schwer, aber den Drill beim Militär überlebt er nicht.

Damit die Geschichte vom sanften Widerstand der Fantasie gegen das militärische System aus Gehorsam und Unterwerfung etwas spannender ausfällt, verschränkt die Autorin die beiden Erzählstränge. Doch die wohl fantasievoll gemeinten Ausführungen von Zoltan, der gerne Kreuzworträtsel löst, sind vor allem ziemlich manieriert.

Am Ende wartet der Roman auch noch mit ein bisschen Schnulzenpotenzial auf.

Melinda Nadj Abonji: Schildkrötensoldat, 173 S., Suhrkamp, 20 Euro, ISBN 978-3-518-42759-0.