Schimmelmanns tragen noch die Nazis in sich

Theater Oberhausen

Mario Salazar nennt sein Stück „Schimmelmanns: Verfall einer Gesellschaft“, das Oberhausens neuer Intendant Florian Fiedler am Freitag in seinem Theater uraufgeführt hat, eine „Nazi-Horrorboulevard-Dramödie“. Es ist heftig und reichlich politisch inkorrekt, doch weder dramatisch noch besonders komisch. Der Titel verweist auf die „Buddenbrooks“ von Thomas Mann. Zu erleben ist eher ein Zerr- als ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft von heute.

OBERHAUSEN

, 24.09.2017 / Lesedauer: 2 min
Schimmelmanns tragen noch die Nazis in sich

Dinner bei den Schimmelmanns

Salazars Schimmelmanns tragen alle ihre Nazi-Vergangenheit in sich, personifiziert in SS-Hauptsturmbannführer Arius Schimmelmann, den Klaus Zwick mit langem Rauschebart à la Gandalf aus dem „Herrn der Ringe“ spielt. Das gilt selbst für Toni, der sich vom Clan abgesetzt hat: Er muss als Zirkusclown einen KZ-Juden spielen. Und dann stellt die Familie auch noch ein Reinigungsmittel her, das sie „Endlösung“ nennt.

Erinnert an "Ein Herz und eine Seele"

Mehrere Generationen sind gleichzeitig auf der Bühne. Und doch erinnert das Ganze eher an Wolfgang Menges 70er-Jahre-TV-Serie „Ein Herz und eine Seele“, nur eben in großbürgerlich und mit 2017er Update.

Anstatt des reaktionären Haustyranns Alfred Tetzlaff gibt es hier die resolute Witwe Rosi Schimmelmann (toller Einstand: Ingrid Sanne), ein völkisch-autoritäres Familienoberhaupt, das Auschwitz feiert, Schwiegertochter Gerlinde (Lise Wolle) als „sozialdemokratische Hure“ diffamiert und mit der Bibel in der Hand gegen Juden wie Muslime austeilt.

Superschurkinnen

Gleichzeitig macht man Geschäfte mit Asylanten und beschäftigt Flüchtlinge als kostenloses Hauspersonal. Die radikalisierten Enkelinnen Klara (Mervan Ürkmez) und Tati (Ayana Goldstein) aber, „Superschurkinnen“ in schwarzen Lackoveralls, führen mit ihrer „nationalen Rechtsarmee“ bzw. der „linken Antinationalarmee“ Krieg gegeneinander.

Termine: 29. / 30. 9., 8. / 13. / 18. 10.; Karten: Tel. (0208) 857 81 84.