Schläger muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

Bochumer Polizist im Wachkoma

Nach einem verheerenden Angriff auf einen Bochumer Polizisten ist ein Kraftsportler aus Herne am Dienstag zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Beamte, der damals nicht im Dienst war, liegt seit 17 Monaten im Wachkoma.

BOCHUM

09.02.2016, 17:49 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Schlimmere Folgen gibt es nicht", sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Der Polizist habe schwerste Hirnverletzungen erlitten, eine Besserung des Wachkoma-Zustandes sei nach Angaben der Ärzte nicht zu erwarten.

Täter prahlt mit "Lucky Punch"

Der Angeklagte hatte damals so fest zugeschlagen, dass ihm die Faust noch Wochen später weh tat. Obwohl er laut Urteil gehört haben muss, wie der Kopf des Polizisten unkontrolliert aufgeschlagen war, hatte er später vor seinen Freunden mit der Tat geprahlt und von einem "Lucky Punch" gesprochen. Schließlich sei der Beamte deutlich größer gewesen als er.

Es war die Zeit, als der 31-Jährige noch viermal die Woche ins Fitnessstudio ging und seinen Körper mit Anabolika und Testosteron zu Höchstleistungen trieb. Nach der Tat war er geflohen, dann zur Tagesordnung übergegangen. "Er kam nicht im Entferntesten auf die Idee, sich über den Zustand des Beamten zu informieren", sagte die Staatsanwältin. Außerdem gebe er dem Polizisten bis heute völlig zu Unrecht eine Mitschuld. Das sei "schäbig". Die im Prozess geäußerte Bitte um Entschuldigung verkümmere daher zu einem Lippenbekenntnis.

Grund für Schlag unklar

Warum der 31-Jährige zugeschlagen hat, ist bis heute unklar. Es hatte zwar eine kleine Rangelei gegeben, von der auch die Türsteher einer Bochumer Szenekneipe berichtet hatten. Doch erstens war die Situation längst wieder bereinigt. Und zweitens hatte der Angeklagte damit überhaupt nichts zu tun.

Dass sein Schlag schlimme Folgen haben könnte, hätte sich der 31-Jährige laut Urteil allerdings denken müssen. "Wer jemandem mit solch einer Kraft ins Gesicht schlägt, muss damit rechnen, dass das Opfer taumelt und zu Boden stürzt", sagte die Richterin. Das Urteil lautet auf schwere Körperverletzung. Die Staatsanwältin hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert, die Anwältin der betroffenen Familie sogar vier Jahre Haft.

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