Schlägerei in der Innenstadt bleibt ungeklärt

Schöffengericht

Ein Verfahren gegen einen 22-jährigen Wittener wegen gefährlicher Körperverletzung musste am Mittwoch aufgrund "erheblicher Mängel bei den Ermittlungen" eingestellt werden. Der Mann sollte angeblich in eine Schlägerei in der Nähe des Breddegartens verwickelt gewesen sein - die Beweise blieben aber schwammig.

WITTEN

von Von Andreas Tietz

, 02.05.2012, 15:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Angeklagt war der Mann, weil er gemeinsam mit drei weiteren Männern an einem Abend im Juni 2011 in der Nähe des Breddegartens einen Passanten zusammengeschlagen und so schwer am Kopf verletzt haben soll, dass dieser stationär im Krankenhaus behandelt werden musste. Bei den nachfolgenden Ermittlungen waren dem Opfer Fotos möglicher Täter gezeigt worden. Wie der Geschädigte bei seiner Zeugenvernehmung im Gericht betonte, habe er dabei drei Männer mit einer Sicherheit von 50 Prozent wieder erkannt. Eine ihm angekündigte Gegenüberstellung habe nie stattgefunden. Auch im Gerichtssaal sagte der Mann aus, er sei nicht sicher, dass der Angeklagte bei der Schlägerei dabei war.

Im Polizeiprotokoll jedoch war von diesen Einschränkungen keine Rede: Darin heißt es lediglich, das Opfer habe zwei Männer wiedererkannt, darunter den Angeklagten. Auch die Angaben über eine weitere Lichtbildvorlage blieben widersprüchlich, das ganze Ermittlungsverfahren kaum nachvollziehbar, kritisierte Richter Grewer ungewöhnlich scharf die Polizeiarbeit in diesem Fall. Er äußerte den Verdacht, der Angeklagte – laut dem Ermittlungsbeamten ein „stadtbekannter Schläger“ – sei von der Polizei allein wegen seiner Vorstrafen als Täter angesehen worden, obwohl die Identifizierung nicht sicher erfolgt war.

Der Angeklagte selbst bestritt im Übrigen die Tat. Er habe mit dem Vorfall nicht das Geringste zu tun, betonte er in seiner Einlassung, und sei zum fraglichen Zeitpunkt bei seiner Mutter zu Besuch gewesen.