Schloss Cappenberg feiert zehn Jahre Kammermusik-Festival

Runder Geburtstag

Ganz am Anfang stand Mozart. Nicht ein gefälliges Divertimento, sondern ein Stück, das bei der Uraufführung vor 230 Jahren das Publikum verstört hatte. Der aus Lünen stammenden Geigerin Mirijam Contzen schien es das geeignete Stück zu sein, um den Grundstein für ein kleines, aber feines Kammermusik-Festival zu legen. Zehn Jahre später erklang Mozarts g-moll-Klavierquartett noch einmal zur Eröffnung des sommerlichen Konzertreigens im Theatersaal vom Schloss Cappenberg.

CAPPENBERG

von Von Karsten Mark

, 16.06.2015, 16:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf Schloss Cappenberg in Selm findet das Kammermusik-Festival statt.

Auf Schloss Cappenberg in Selm findet das Kammermusik-Festival statt.

Ganz am Anfang, da stand Mozart. Nicht irgendein gefälliges Divertimento, sondern ein Stück, das bei der Uraufführung vor 230 Jahren das Publikum geradezu verstört hatte – ob seiner „Fremdartigkeit“.

Schon die Besetzung war eigenartig: Für ein „Klavierquartett“ mit Geige, Bratsche und Cello hatte sonst nie jemand komponiert. Und in dieser verwirrend komplizierten Weise schon gar nicht.

Der aus Lünen stammenden Geigerin Mirijam Contzen hingegen erschien es das geeignete Stück zu sein, um den Grundstein für ein kleines, aber feines Kammermusik-Festival in ihrer Heimat zu legen. Zehn Jahre später erklang nun Mozarts g-moll-Klavierquartett noch einmal zur Eröffnung des sommerlichen Konzertreigens im kleinen Theatersaal von Schloss Cappenberg.

Kaum Zeit zur Entspannung

Ganz so verstörend wie einst wirkt das Stück für heutige Ohren nicht mehr. Vom gefälligen Divertimento ist es dennoch weit entfernt und gibt Hörern wie Aufführenden kaum Gelegenheit, sich entspannt zurückzulehnen.

Es sind drei groß angelegte, allein in der Besetzung verdichtete „Kammer“-Werke, die zur Eröffnung erklingen. Mozart und Beethovens „Erzherzog“-Klaviertrio in B-Dur bilden die gewichtige Klammer um ein frühes Werk von Richard Strauss, einer Sonate für Cello und Klavier in F-Dur.

Mit Kammermusik im Sinne der Hausmusik früherer Jahrhunderte hat ein solches Programm nichts zu tun. Es ist – wenngleich auch selten vordergründig – durchweg Virtuosenmusik.

Viele treue Mitarbeiter

Wie gut die Chemie in Cappenberg stimmt, zeigen die vielen treuen Mitstreiter. Bratschist Ulrich Eichenauer etwa und Cellist Peter Hörr gehören zur Stammbesetzung. Auch der international erfolgreiche Pianist Herbert Schuch, der am Eröffnungsabend durchgehend einen tragenden Part zu bestreiten hatte, war schon oft zu Gast in Cappenberg.

Hinzu kommen jedes Mal auch neue Musiker wie die englische Cellistin Hannah Roberts und der Violonist Mark Gothoni, der kurzfristig eingesprungen war.

„Es freut mich“, sagte Festival-Intendant Berthold Warnecke zur Begrüßung, „dass es Mirijam gelungen ist, das Festival so erfrischend offen und auch ein bisschen chaotisch zu halten.“ Zu hören war vom Chaos nichts, die Frische allerdings hat sich das Festivalensemble ebenso erhalten wie den hohen Anspruch. Ein intensives Konzerterlebnis.

Weitere Konzerte am 17., 19., 20. und 21. Juni. Karten unter Tel. 0180 60 50 400

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