Schloss Oberhausen zeigt Werkschau von Herlinde Koelbl

Fotokünstlerin und Dokumentarfilmerin

Herlinde Koelbl hat Schlafzimmer und Schamhaare fotografiert. Sie hat Angela Merkel, Gerhard Schröder und Joschka Fischer porträtiert. Jetzt sind Werke der Grande Dame der deutschen Fotografie in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zu sehen. Die Bilder zeigen Menschen - und erzählen Geschichten von Macht und Vergänglichkeit.

OBERHAUSEN

, 22.01.2015, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schloss Oberhausen zeigt Werkschau von Herlinde Koelbl

Herlinde Koelbl: "Der Mensch ist das Entscheidende."

Als Herlinde Koelbl nach ihren Vorbildern gefragt wird, fällt die Antwort kurz und direkt aus. „Ich hatte nie Vorbilder und habe keine Vorbilder“, sagt die 75-Jährige am Donnerstag bei der Präsentation der Ausstellung.

Als Kuratorin beteiligt

Dieser Satz sagt viel aus über eine der bekanntesten und profiliertesten deutschen Fotokünstlerinnen und Dokumentarfilmerinnen. Koelbl ist Autodidaktin. Die gelernte Modedesignerin begann 1976, da war Koelbl bereits 36, ihre Kinder im Garten abzulichten. So entdeckte sie ihre Leidenschaft und ihr Talent. Es folgten Arbeiten für den „Stern“, später für „Die Zeit“ und die „New York Times“ und zahlreiche Bildbände. Ihre Werke hingen im Deutschen Historischen Museum oder im Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Nun also Oberhausen. „Das deutsche Wohnzimmer, Spuren der Macht, Haare und andere menschliche Dinge – Fotografien von 1980 bis heute“ ist eine umfassende Werkschau, an der Koelbl selbst als Kuratorin beteiligt war. Der Rundgang startet mit ihrer Arbeit „Goldmund“. Die auf den Fotografien gezeigten Lippen erzählen sehr viel über die Menschen – Verbitterung, Freude, Trauer. Am Ende sprechen die Protagonisten in einer Videoinstallation über ihr Verhältnis zum Geld.

Direkt und ehrlich

Koelbs Werke, viele davon Langzeitprojekte, sind mutig, direkt und ehrlich. Sie kommt den Menschen nah – ob bei Bildern deutscher Wohnzimmer oder Aktaufnahmen – und schafft mit der Kamera eine besondere Nähe zu den Protagonisten, die der Betrachter spüren kann.

So unterschiedlich die Themen sind, sie alle haben einen roten Faden: der Mensch und seine Geschichten, die Koelbl erzählen will. Es sind Geschichten von Rollenmustern, Macht und Vergänglichkeit – nicht nur mit den Fotografien, auch mit den dazugehörigen Texten, die ihr sehr wichtig sind, wie sie sagt. Bei der Arbeit „Jüdische Porträts von 1989“ gehörten die Antworten der Menschen „untrennbar zum Werk hinzu“.

 

Koelbls vielleicht bekanntestes Projekt ist die Langzeitstudie „Spuren der Macht“. Dafür hat sie Politiker wie Angela Merkel oder Gerhard Schröder einmal im Jahr porträtiert, um zu zeigen, wie Verantwortung, Erfolgsdruck und das Amt die Gesichter der Menschen verändert. Wie bei allen ihren Werken habe sie den Protagonisten keine Anweisungen gegeben, wie sie posieren sollen. „Die Körpersprache ist sehr wichtig in meiner Fotografie“, sagt Koelbl. „Der Mensch ist das Entscheidende.“ 

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Herlinde Koelbl, 25.1-3.5., Konrad-Adenauer-Allee 46, Di-So 11-18 Uhr.