Schorsch Kameruns „Abseitsfalle“ uraufgeführt

Theater Oberhausen

OBERHAUSEN Die Stadt Oberhausen ist - wie manch andere Stadt in der Region - pleite. Das weiß man. Wer hoffte da nicht, dass ein reicher Investor käme und von heute auf morgen wieder Schwung in den Laden brächte. So passiert es in Schorsch Kameruns Stück "Abseitsfalle", das in Oberhausen uraufgeführt wurde.

von Von Klaus Stübler

, 17.03.2010, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schauspieler Marek Jera ist der "arabische" Spielleiter im Sponsoring-Wettbewerb.

Schauspieler Marek Jera ist der "arabische" Spielleiter im Sponsoring-Wettbewerb.

Und dann ist er auf einmal da, der Ölscheich, und will entweder den Fußballverein Rot-Weiß Oberhausen oder aber das städtische Theater übernehmen. Ein "Endspiel" zwischen Sportlern und Schauspielern soll übers Überleben entscheiden. "Abseitsfalle" hat Schorsch Kamerun sein neuestes Projekt genannt, das am Dienstagabend in der Sporthalle einer Oberhausener Gesamtschule herauskam.Unter ihren Möglichkeiten

Was hätte man aus so einem Thema machen können, wenn man nur gewollt hätte. Aber der "Goldenen Zitrone" Schorsch Kamerun mangelt es einfach an Ideen der Umsetzung - und vieles an diesem Abend ist auch nicht durchdacht oder gar unlogisch.

So müssen sich beide Teams vorwiegend in theatralischen Disziplinen und keinmal in sportlichen messen. Und der Präsident des Fußballclubs, Hajo Sommers, disqualifiziert seine Mannschaft zuletzt auch noch selbst, indem er der vom potentiellen Sponsor zur Bedingung gemachten Namensänderung mit einem "RWO bleibt RWO" begegnet. Da schnappt die Abseitsfalle etwas spät zu.

Das Enttäuschendste ist gleichwohl die Vorstellung des Theater-Teams. Die Schauspieler bleiben weit unter ihren Möglichkeiten, lassen sich zu ihren Ungunsten verbiegen und ihre zuletzt so gut entwickelten musikalischen Qualitäten gleich ganz außen vor. Stattdessen wird der Sängerbund der Gutehoffnungshütte vorgeschickt, um für die Theater-Elf Kameruns neue Oberhausen-Hymne "Arab Patrol" mit der Refrain-Zeile "Fühl dich in Oberhausen wohl" zu intonieren.

Im direkten Vergleich der Reichsteilungsszene aus Shakespeares "König Lear" hat das von einem prollig-witzigen König angeführte, in historische Gewänder gehüllte RWO-Team ganz klar die Nase vorn gegenüber nuschelnden Theaterprofis in erbärmlichen futuristischen Kleidern. Da spielt Hajo Sommers, der in seinem zweiten Leben Mitbetreiber des auf Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen spezialisierten Oberhausener Ebertbads ist, seine komödiantischen Qualitäten aus.

Alles in allem ist "Abseitsfalle" das schwächste Außenprojekt des Theaters Oberhausen seit Jahren und eine wahre Anti-Werbung für die Bühne. Bleibt zu hoffen, dass die Produktion dank der zahlreichen beteiligten Sponsoren (!) der Stadt nicht auch noch zum finanziellen Schaden gereicht.

  • Nächste Termine: 25./ 27. 3., 13./ 29. 4., Treffpunkt ist das Theater Oberhausen, von wo aus es mit Bussen zur Sporthalle der Gesamtschule Osterfeld geht; Karten: Tel. (0208) 85 78 184.
  • www.theater-oberhausen.de
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