Schottland: Sehr hohe Wahlbeteiligung

Referendum zur Unabhängigkeit

Schottland stimmt ab. Gehören 307 Jahre englisch-schottische Union bald der Geschichte an? Umfragen sahen beide Lager bis zum Schluss Kopf an Kopf. Auch das Ausland ist aufgeregt - eine Unabhängigkeit Schottlands würde sich auch auf die Finanzmärkte auswirken.

EDINBURGH

18.09.2014, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Schotten sagen Yes. Sie wollen, dass Schottland unabhängig wird.

Diese Schotten sagen Yes. Sie wollen, dass Schottland unabhängig wird.

Beide Lager mobilisierten zum Ende des Wahlkampfes noch einmal alle Kräfte. „Wacht auf am Freitag und seid euch gewiss: Wir waren es, wir haben es möglich gemacht“, schrieb Schottlands Ministerpräsident und Kopf der Unabhängigkeitsbewegung, Alex Salmond, in einem offenen Brief an seine Bürger. Großbritanniens Premierminister David Cameron hatte die Schotten förmlich angefleht: „Bitte, bitte, bleibt bei uns!“Lange Schlangen vor den Wahllokalen Die Wahlleitung in Edinburgh erwartete eine in der Geschichte Schottlands noch nie dagewesene Wahlbeteiligung von mehr als 90 Prozent. Die Frage der Unabhängigkeit hatte das schottische Volk in den vergangenen Wochen wie kaum eine andere politische Entscheidung zuvor elektrisiert. Schon am Vormittag hatten sich lange Schlangen vor den 5579 Wahllokalen in 2608 Einrichtungen gebildet. Erstmals durften Schüler im Alter von mindestens 16 Jahren mitwählen. Die Wahllokale sollten um 23.00 Uhr (MESZ) schließen.

Mit ersten Ergebnissen aus den 32 Stimmbezirken wird am frühen Freitagmorgen gerechnet, ein Endergebnis soll gegen 8.00 Uhr (MESZ) verkündet werden. Die Meinungsforscher haben bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt. Allerdings ergaben die letzten Erhebungen einen leichten Vorsprung für das „Nein“-Lager, das die Union mit Großbritannien fortsetzen will.

Britische Kommentatoren sahen wegen des großen Interesses und der durchdringenden politischen Debatte unabhängig vom Ausgang einen „Sieg für die Demokratie.“ Für den Fall, dass sich die Schotten mehrheitlich für die Unabhängigkeit entscheiden sollte, befürchten Experten schwere Turbulenzen auf den Finanzmärkten und einen Absturz des britischen Pfunds. Wichtige finanzpolitische Fragen, etwa die nach der schottischen Währung und der Aufteilung der Staatsschulden sind noch nicht beantwortet. In Großbritannien wird im Fall eines „Ja-Votums“ eine massive Regierungskrise befürchtet.Abgeordnete seiner eigenen Fraktion forderten den konservativen Premier Cameron indirekt für diesen Fall zum Rücktritt auf. „Der Premierminister muss in diesem Fall entscheiden, was die Ehre gebietet“, sagte der Parlamentarier Andrew Rosindell der „Financial Times.“ Cameron selbst deutete an, er wolle nicht zurücktreten. „Über meine Zukunft wird bei der nächsten Parlamentswahl entschieden“, sagte er in der BBC.