Schräge Vögel in „Men & Chicken“

Im Kino

Grotesk, makaber und mehr als das: Bei „Men & Chicken“ hat der dänische Regisseur und Drehbuchautor Thomas Anders Jensen seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Das Ergebnis ist eine befremdlich schrille, rabenschwarze Komödie.

06.07.2015, 14:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schräge Vögel in „Men & Chicken“

Gregor (l., Nikolaj Lie Kaas) und Elias (Mads Mikkelsen) bringen die Tiere nach draußen.

Wir lernen einen Menschenzoo verschrobener Halbbrüder kennen, die nach Früchten jahrelanger Inzucht aussehen. Geschlagen mit Hasenscharten und schief wuchernden Nasen haben fast alle den affektgesteuerten Gefühlshaushalt kleiner Kinder.

Extrem kurze Zündschnur, reflexartige Wutanfälle, die mit Prügelei abreagiert werden. Mit solchen Visagen bestückt das amerikanische Kino seine Horrormärchen um degenerierte Hinterwäldler, die verirrte Teenager schlachten.

Kaum zu erkennen, stecken unter den Gesichtsprothesen einige aus der ersten Garde dänischer Kino-Darsteller. Mads Mikkelsen ist dabei und Nikolaj Lie Kaas, auch der Dickwanst Nicolas Bro aus dem Jensen-Film „Adams Äpfel“.

Spatzenhirn

In vier der Jungs steckt wenig mehr als ein Spatzenhirn, nur Gabriel (David Dencik) ist ein heller Kopf und der umgänglichste des Quintetts. Mit seinem gestörten, sexbesessenen Bruder Elias (Mikkelsen) fährt Gabriel auf eine Insel, um das Geheimnis seiner Herkunft zu lüften.

Der Rest der Patchwork-Familie haust in einem verwahrlosten Sanatorium, ein Mittelding zwischen Villa Kunterbunt, Tierpension, Gruselkabinett und Mausoleum.

Hühner mit Schweinepfoten und andere Hybriden laufen herum. Ein Wissenschaftler, der im Obergeschoss verrottet, hat sich als Dr. Frankenstein betätigt und merkwürdig schräge Vögel in die Welt gesetzt. Jensen provoziert mit Geschmacklosigkeiten, die er bis zur Ekelgrenze andeutet, aber eben nur andeutet.

Komik schafft da Entlastung und hat etwas Befreiendes. Die scheinbaren Idioten zeigen Familiengeist, sie lesen Gutenacht-Geschichten und betreiben Bibel-Exegese.

Bizarr

Bei gutem Willen geht „Men & Chicken“ als Vergackeierung einer Familienkomödie durch. Oder als Farce über Gentechnik und Stammzellenforschung, gewürzt mit einer großen Prise Schwarzpfeffer. Einer der bizarrsten Filme überhaupt, ein Humor- und Härtetest für den Zuschauer.