Schriftenschatz der Krupps: Eine Zeitreise in Briefen

In der Villa Hügel

"Ich biete Ihnen von ganzem Herzen meine vollste Freundschaft und Mitwirkung an", schrieb Kaiser Wilhelm II. 1902 an Bertha Krupp. Es war ein Kondolenzbrief an die erst 16-jährige Firmenerbin und einer von 44 Briefen, die ab Samstag (25.3.) in einer Ausstellung in der Villa Hügel in Essen zu sehen sind.

ESSEN

, 23.03.2017, 17:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schriftenschatz der Krupps: Eine Zeitreise in Briefen

Brief von Kaiser Wilhelm II an Bertha Krupp.

"Humboldt denkt, Adenauer dementiert" heißt die Schau, die in einer Zeitreise von 1800 bis 1992 Einblicke in den riesigen Schriftenschatz des Historischen Archiv Krupps gibt. Zehn Regalkilometer und 50 Millionen Blatt Papier umfasse die Korrespondenz des Unternehmens Krupp, sagt Archivleiter Ralf Stremmel, Kurator dieser dritten Ausstellung in der Villa.

Geschäftsbriefe sind darunter und sehr persönliche Briefe - früher handgeschrieben, seit 1950 auf Maschinen getippt. Und die Grußworte am Schluss sind oft länger als heute eine Twitter-Nachricht.

"Who is who" aus fast zwei Jahrhunderten

Es ist ein "Who is who" aus fast zwei Jahrhunderten, das in der Ausstellung versammelt ist - Prominenz aus Politik und Kultur, Erfinder und Wirtschaftsbosse. Sehr schön präsentiert sind die Briefe in vier Räumen unter Glas auf roten Lese-Schreibpulten. Rechts finden die Besucher biografische Notizen, links - zum Herausziehen - eine Tafel mit dem abgetippten Brieftext.

Herbert von Karajan bedankte sich 1964 bei Alfried Krupp, dass er im Kruppschen Firmenjet fliegen durfte, Graf von Zeppelin wollte 1892 Geld von Friedrich Krupp, um sich seinen Traum von einem Luftschiff zu erfüllen. Und Adenauer dementierte 1988 im Brief an Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, die "nationale Zuverlässigkeit" von Berthold Beitz infrage gestellt zu haben.

Eigener Charakter

Humboldt, Edison, Willy Brandt und Bismark - die Liste der Absender ist illuster. Und spannend ist auch, Handschriften zu vergleichen: Jeder Brief hat einen eigenen Charakter.

Viele Briefe seien im Zweiten Weltkrieg in der Firma Krupp verloren gegangen, sagt Stremmel. Es habe auch eine Korrespondenz mit Hitler gegeben, dieses Kapitel habe die Stiftung nicht ausblenden wollen. Deshalb liegt ein Brief von Reichsminister Albert Speer in den Vitrinen.

Villa Hügel: "Humboldt dankt, Adenauer dementiert", 25.3. bis 8.10.17, Hügel 1, Di-So 10-19 Uhr, Katalog (mit 66 Briefen): 24,95 Euro. Weitere Infos .