Schüler passen 96 Stunden auf Roboter-Babys auf

Alfred-Adler-Förderschule

Diese Roboter schreien, quengeln und müssen gewickelt werden: Die künstlichen Babys der Alfred-Adler-Förderschule sollen den Schülern zeigen, wie anstrengend es ist, ein Kind großzuziehen. Eine Klasse musste 96 Stunden mit den Roboter-Babys verbringen. Ans Kinderkriegen denkt nun erst einmal keiner mehr.

RAHM

von Von Matthias vom Büchel

, 15.11.2013, 00:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wickeln und füttern: Zwei Tage und zwei Nächte kümmerten sich die Schülerinnen und Schüler um ihre "Babys".

Wickeln und füttern: Zwei Tage und zwei Nächte kümmerten sich die Schülerinnen und Schüler um ihre "Babys".

Auch das Baby-Praktikum gehört zu diesem Unterrichtsschwerpunkt. Dafür hat der Förderverein der Schule vor einigen Jahren Babysimulatoren angeschafft. Diese kleinen Computer sehen aus wie echte Babies und benehmen sich auch so. Und sie speichern alles ab, was die Kinder im Laufe der 96 Stunden mit ihren „Babys“ anstellen. André ist am Ende des Praktikums eigentlich ganz zufrieden. Er hat sich ganz allein um sein Baby gekümmert. 98 Prozent der Pflege seien okay gewesen, berichtet er. „Aber einmal ist es mir runtergefallen. Das war natürlich schlecht.“

Rana und Carla sind froh, dass die anstrengende Zeit zu Ende ist. „Es hat die ganze Nacht geschrien. Kaum hatten wir uns wieder hingelegt, mussten wir wieder aufstehen.“ „Die Schüler müssen jedesmal selbst herausfinden, was ihr Baby hat“, erklärt Lehrerin Birgit Pieper. Mit ihrer Kollegin Julia Menzner hat sie das Praktikum Tag und Nacht betreut. Während der Nacht hatten immer zwei Schüler ein Zimmer für sich allein. Mussten sich bei der Pflege unterstützen wie ein Ehepaar. Dominik hat dabei realistische Erfahrungen gemacht. „In der ersten Nacht musste ich alles allein machen. Mein Zimmerpartner war kaum wachzukriegen. „Stimmt“, gibt Mohammed zu. „Aber in der zweiten Nacht war ich voll da.“ Einig waren sich die Schüler am Ende des Praktikums, dass das Hüten der Babys sehr anstrengend war. Sie freuen sich nur noch auf ihr Bett und sind froh, dass die anstrengende Zeit vorbei ist.

Das freut Schulleiter Wolfgang Euteneuer. „Manch eine Jugendliche glaubt, ein Kind wäre ein netter Zeitvertreib, etwas zum Kuscheln“, meint der Sonderpädagoge. „Besonders Kinder aus schwierigen Familien träumen gern vom eigenen Heim mit Kind und Partner. Aber eine realistische Vorstellung von der Arbeit und der Verantwortung, die auf sie zukommt, haben sie nicht.“ Für die neun Jugendlichen ist ein Baby nach dem Praktikum kein Thema mehr. „Ein eigenes Kind? Bloß nicht“, sind sich die Jugendlichen einig. „Frühestens mit 20, besser aber erst mit 30 Jahren“, finden sie.