Schüler schlichten Streit ohne Fäuste

HÖRDE Die Schüler der Brücherhof-Grundschule lassen bei einem Streit nicht die Fäuste fliegen. Das Problem lösen sie mit viel Gefühl. Faustlos.

von Von Peter Bandermann

, 09.06.2008, 14:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Faustlos" - so heißt auch das vor einem Jahr eingeführte Projekt, das Norbert Driller von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Hörde begleitet.

Überzeugt davon ist Schulleiter Bernd Lohoff: "Die Kinder können das, wozu selbst Erwachsene oft nicht in der Lage sind" - die aufgestaute Wut herunter regeln.

"Einfach bis 10 zählen, sich abregen und dann weggehen", sagt eine Schülerin der Klasse 2b, als sei das kinderleicht. "Wir haben uns sehr viel verbessert", ist auch Klassenkamerdin Marie-Claire überzeugt.

Sie meint, dass Gefühle viel stärker sind als eine Faust. Fäuste schmerzen nicht nur im Gesicht - sie verletzen auch an anderer Stelle: "Auch böse Worte können wie Fäuste wirken", sagt Marie-Claire.

"Einfach ein Radiergummi wegnehmen kann auch schon eine Faust sein", ergänzt Melissa. Und Fäuste zerstören sogar Freundschaften. "Fäuste" entdeckt Klassenlehrerin Christine Schädel selbst im Unterricht. Wenn einer stört.

Einmal pro Woche setzen sich die Jungen und Mädchen mit ihrer Klassenlehrerin im Sachkundeunterricht intensiv mit Streit und Stress auseinander.

So lernen die Kinder, Gefühle auszudrücken, Gefühle zu erkennen und damit umzugehen. Schon vor der ersten Stunde positioniert jedes Kind eine mit seinem Namen versehene Wäscheklammer auf dem Gefühlsbarometer: Wer "wütend" ist, soll das ganz offen sichtbar machen. "Faustlos" heißt: Die Klasse respektiert die Wut, provoziert aber nicht zusätzlich.

"Faustlos ist sicher kein Allheilmittel", sagt Norbert Driller, "aber die Kinder lernen schnell, dass sie auch Verhandeln können." Passend zum Projekt hat die Schule ein neues Pausenangebot eingeführt. Die blauen Spieleschränke verwalten die Schüler selbst - ohne dass die Fäuste fliegen.

- Die „Faustlos“-Idee hat der Heidelberger Uni-Professor Manfred Cierpka in Amerika entdeckt und in seinem Präventionszentrum ausgebaut. Professor Cierpka ist Familientherapeut und bildet Lehrerinnen und Lehrer aus.- Schulen, die sich über „Faustlos“ informieren möchten, finden in der Hörder Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche mit Norbert Driller den richtigen Ansprechpartner. Kontakt: Tel. 42 30 17.

www.faustlos.de