Schulministerin besucht Bildungsmesse

Lautstarke Demo

Der Terminplan einer Ministerin ist eng. Auch deshalb passte es Nordrhein-Westfalens Schul- und Weiterbildungsministerin Sylvia Löhrmann gestern nicht wirklich, dass sie auf ihrem Rundgang über die Berufsbildungsmesse Mittleres Ruhrgebiet im Ruhr-Congress von einer Demo gegen die Bundeswehr begleitet wurde.

BOCHUM

, 10.09.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schulministerin besucht Bildungsmesse

Schulministerin Löhrmann besuchte die Bochumer Bildungsmesse.

„Iran, Irak, Syrien, Türkei – bei jeder Schweinerei ist die BRD dabei“, skandierten zwei Handvoll Demonstranten aus dem Umfeld des Friedensplenums, als die Ministerin ihren Rundgang beginnen wollte. Seit Jahren wenden sich die Aktivisten gegen den Stand, an dem für Karrieren in der Bundeswehr geworben wird.

Diesmal erzielten sie maximale Aufmerksamkeit, indem sie dem Rundgang folgten und Flyer hochhielten mit der Aufschrift „Krieg beginnt hier“. Am Stand des Handwerks sorgte ihr Protest kurz für wütende Reaktionen, weil Sylvia Löhrmann dort eigentlich der „Battle“ – also einem kleinen, musikalischen Duell – zweier Beatboxer zuhören sollte. Wie um das chaotische Bild zu vervollständigen, hüpfte dazu noch eine Polonaise aus übermütigen Achtklässlern vorbei, denen vor lauter Berufsberatung wohl die Köpfe rauchten.

Mit etwas mehr Ruhe informierte sich die Schulministerin bei den Mitarbeitern der Ruhr-Universität über den größten Ausbilder Bochums. Was viele nicht wissen: An der Uni können Schul-Absolventen Berufe wie IT-Systemelektroniker lernen, müssen also nicht studieren.

Großes Angebot

An der Präsenz der Caritas kam sie mit zwei Auszubildenden aus dem Pflege-Bereich ins Gespräch und versicherte sich, dass das landesweite Verbundsystem für Altenpflege einen Vorteil für alle Seiten darstellt. Eine Besonderheit der Berufsbildungsmesse Mittleres Ruhrgebiet ist ihr Beratungsangebot: 50 Berufsberater aus verschiedenen Ruhrgebietsstädten führen im Halbstundentakt rund 1200 Beratungsgespräche im benachbarten Stadioncenter des VfL Bochum.

Ein durchgehendes Murmeln ist im Raum zu vernehmen. „Eine besondere Atmosphäre, die Schüler und Berater schätzen“, weiß Luidger Wolterhoff, Chef der Bochumer Agentur für Arbeit. Am Rande des Beratungsraums traf die Ministerin noch auf besondere berufsvorbereitende Projekte von Schulen: Ehemalige der Theodor-Körner-Schule haben etwa ein eigenes Alumni-Projekt auf die Beine gestellt, bei dem sie interessierte Schüler mit Berufspraktikern aus dem Kreise der Absolventen zusammenbringen.

Die Pestalozzi-Realschule hingegen hat eine eigene Ausbildungsmesse auf die Beine gestellt. Schüler der Liselotte-Rauner-Schule nehmen freiwillig neben der Unterrichtszeit an Einführungen in die Zerspannungstechnik teil. Und die Heinrich-Böll-Gesamtschule stellte ihren Musikzweig vor.

Alle Schüler im Blick

Bei einer Gesprächsrunde im Anschluss an den Messerundgang erörterten die Ministerin und Vertreter der Arbeitsagenturen und Ausbildungs-Träger das NRW-Vorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“, Unter diesem Motto führt das Bundesland als erstes Flächenland ein einheitliches und effizient gestaltetes Übergangssystem ein.

Es nimmt alle Schüler in den Abschlussjahrgängen in den Blick und ermöglicht ihnen einen guten, zielgerichteten Start in Ausbildung oder Studium. Dabei will Sylvia Löhrmann das Problem angehen, dass eine weitere schulische Ausbildung heute immer noch mehr gilt als eine Berufsausbildung: „Ich plädiere für die Gleichwertigkeit von Berufsausbildung und akademischer Ausbildung.“

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