Schumanns himmlisches Oratorium

Philharmonie Essen

"Ein wunderbares Oratorium", "die Musik ist unglaublich schön": Philippe Herreweghe schwärmte am Sonntag in der Essener Philharmonie in höchsten Tönen von Schumanns selten gespielter Komposition "Das Paradies und die Peri", mit der er sich dort als neuer Residenzkünstler vorstellte.

ESSEN

, 19.10.2015 / Lesedauer: 2 min
Schumanns himmlisches Oratorium

Philippe Herreweghe hat sein Antrittskonzert als Residenzkünstler der Philharmonie Essen dirigiert.

Mit seinem Urteil steht der 68-jährige Flame nicht allein da, denn auch andere bedeutende Dirigenten wie Simon Rattle oder Nikolaus Harnoncourt schwören auf dieses erste große Chorwerk des Frühromantikers.

Die Essener Aufführung durch die strahlend und engelsgleich singende Carolyn Sampson in der Titelrolle, ein perfekt ausbalanciertes Solistenquartett, den ganz schlank klingenden Chor des Collegium Vocale Gent und das auf Instrumenten der Schumann-Zeit spielende Orchestre des Champs-Elysées überzeugte auch das Publikum von den musikalischen Qualitäten des Oratoriums.

Elfenhafte Leichtigkeit

Der lyrische Grundton der ineinander fließenden Nummern und die elfenhafte Leichtigkeit à la Mendelssohn ergaben eine wahrhaft himmlische Musik, die Herreweghe durch sein federndes Dirigat filigran und farbig zum Klingen brachte.

Die Feinheit der Interpretation bot zugleich einen willkommenen Kontrapunkt zur pathetisch-sentimentalen Sprache des gesungenen Texts. Letzterer war im Übrigen nur bruchstückhaft zu verstehen, weil die Gesangssolisten anstatt vor dem Orchester links und rechts hinter den Geigen postiert waren.

Exotisch-märchenhaft

Allerdings genügte es auch zum Verständnis, wenn man vorab in etwa den Gang der exotisch-märchenhaften "Peri"-Geschichte kannte: Dass sich da ein gefallener E

ngel zurück ins Paradies sehnt und für den Wiedereinlass nacheinander den letzten Blutstropfen eines heldenhaft sterbenden Jünglings, den letzten Seufzer eines Liebespaars und Tränen eines reuigen Verbrechers anschleppt.