Schweigen der Angeklagten angeblich lange geplant

Prozess Banker-Mord

Der Prozess um den Mord am Banker Markus R. wird seit Montag in Bochum verhandelt. Die angeklagte Arztgattin Nicole S. schwieg nach Verlesung der Anklage, wenngleich sie bereits gestanden hatte. Ihr Schweigen soll lange geplant gewesen sein.

BOCHUM

von Von Jörn Hartwich

, 15.02.2012, 05:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Arztehefrau Nicole S. (32) wurde jetzt zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an ihrem Geliebten verurteilt.

Arztehefrau Nicole S. (32) wurde jetzt zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an ihrem Geliebten verurteilt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Prozessauftakt Banker-Mord

Vor dem Bochumer Schwurgericht hat am Montag der spektakulärste Mordprozess des Jahres begonnen: Angeklagt ist die Bochumer Arztgattin Nicole S. (32). Sie soll am 2. September 2011 ihren Liebhaber – den Banker Markus R. – betäubt, vergiftet und erstochen haben. Angeblicher Hintergrund: Niemand sollte erfahren, dass der 32-Jährige der Vater ihres gerade geborenen Sohnes ist.
13.02.2012
/
Die Angeklagte Nicole S. beim prozessauftakt in Bochum.© Foto: Jörn Hartwich
Die Angeklagte Nicole S. und ihr Verteidiger Egbert Schenkel im Gericht.© Foto: Jörn Hartwich
Die Tatwaffe im sogenannten Banker-Mord.© Foto: Jörn Hartich
Viele Zuschauer wollten den Verhandlungsauftakt am Montag in Bochum mit verfolgen.© Foto: Jörn Hartwich
Der Vater des Opfers Ralf R. vor Gericht am Montag.© Foto: Jörn Hartwich
Staatsanwalt Michael Nogaj im Gericht.© Foto: Jörn Hartich
Eine Gerichtsbedienstete mit den Platzkarten.© Foto: Jörn Hartwich
Die Mutter des Opfers mit Rechtsanwalt Reinhard Peters.© Foto: Jörn Hartich
Am Montag fand in Bochum der Prozessauftakt zum Banker-Mord statt.© Foto: Jörn Hartich
Schlagworte

Kaum war die Verhandlung vorbei, sackte Nicole S. in sich zusammen. „Sie hatte Schwierigkeiten, sich auf den Beinen zu halten, war heilfroh, dass der Tag zu Ende war“, sagte ihr Verteidiger Egbert Schenkel am Tag Dienstag. Knapp zwei Stunden hatte die mutmaßliche Mörderin auf der Anklagebank gesessen – beobachtet von rund hundert Zuschauern und Journalisten, die hinter einer dicken Panzerglasscheibe saßen.

„Ich will mir die Frau unbedingt einmal angucken“, hatte eine Zuschauerin erklärt, die sich früh morgens als eine der ersten in die Schlange gestellt hatte. „Um mir dann ein eigenes Bild zu machen.“ Als die Angeklagte mit Wollmütze und Sonnenbrille in den Saal geführt wurde, ging ein Raunen durch die Reihen. Später wurde sogar einmal geklatscht. Als die Richter um kurz nach neun Uhr den Saal betraten und sich alle erhoben hatten, wurde es jedoch mucksmäuschenstill. Zwei lange Minuten durfte gefilmt und fotografiert werden. Alle mussten stehen bleiben. „Für die Angeklagte war das unerträglich lange“, sagte Schenkel gestern. „Man hat nur noch das Klacken der Kameras gehört.“

Dass Arzt-Ehefrau Nicole S. kaum ein Wort gesagt hat, war angeblich keine Überraschung, sondern lange geplant. Ihr Verteidiger: „Die Entscheidung ist seit der polizeilichen Vernehmung im letzten Jahr gereift.“ Nach Prozessende wurde Nicole S. zurück ins Gelsenkirchener Frauengefängnis gebracht. Auch ihr Ehemann soll sie dort schon besucht haben. Und auch ihr Baby hat sie dort angeblich schon in den Armen halten dürfen. Ihre Mutter soll den sechs Monate alten Jungen mit in die Haftanstalt gebracht haben.Nicole S. hat gestanden, ihren Geliebten – den Bochumer Banker Markus R. – am 2. September 2011 mit Morphium betäubt und erstochen zu haben. Niemand sollte erfahren, dass der 36-Jährige der Vater ihres Kindes war. Der Prozess wird am 28. Februar fortgesetzt.