Schweigersche Wohlfühl-Komödie „Honig im Kopf“

Neu im Kino

Opa Amandus ist durch den Wind. In seiner malerisch verlotterten Villa Kunterbunt stehen Bücher im Eisfach, Lebensmittel im Regal, und bei der Polizei meldet er seine verstorbene Frau als vermisst. Opa hat Alzheimer, er zieht zum Sohnemann.

26.12.2014, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schweigersche Wohlfühl-Komödie „Honig im Kopf“

Opa (Dieter Hallervorden) und Enkelin (Emma Schweiger) verstehen sich prächtig.

Til Schweiger nimmt die Krankheit leicht, will für zwei Kinostunden vergessen machen, dass Alzheimer ein Trauerspiel ist: "Honig im Kopf" passt in die Liste Schweigerscher Wohlfühl-Komödien, wo Probleme sich verflüchtigen und Melancholie eine unterhaltsame Seite hat.Enkelin erzählt

Gut, Alzheimer löst sich nicht in Luft auf, harmlos wie "Kokowääh" ist der Streifen sicher nicht. Schweiger mildert die Tragik ab, wenn er aus der Warte von Opas Enkelin Tilda (Emma Schweiger) erzählt, in deren kindlicher Sicht der Kranke vor allem ein lustiger Vogel ist. Der alte Tunichtgut (Dieter Hallervorden) kann anstellen, was er will - die Hecke verstümmeln, Kuchen verbrennen, Schuhe in den Backofen schieben -, die Enkelin hat ein Grinsen im Gesicht. Nicht ungeschickt, wie Schweiger (der Amandus' Sohn spielt) sich als Darsteller aus der Schusslinie nimmt, Hallervorden und seiner Tochter Emma den Vortritt lässt. Es sind die beiden, die den Film tragen.

Billige Kalauer

Hallervorden zeigt eine ansprechende Vorstellung. Er verleiht dem Opa eine trotzige Würde, obwohl das Drehbuch die Figur in die Nähe eines (Groß-)Vaters der Klamotte rückt und mit billigen Kalauern hausieren geht: "Haben Sie gewählt?", fragt der Ober im Restaurant. "Ja klar", meint der Opa, "SPD, wie immer!" Im Beisein von Sohn und Schwiegertochter (Jeanette Hain) pinkelt der Alte in den Kühlschrank - der nächste Gag, der einem geschraubt vorkommt.

Als Alzheimer-Fallstudie taugt "Honig im Kopf" nur bedingt, obwohl der Film viel Wahres über die Krankheit sagt: Der Alltag wird zu einem Hindernis-Parcours. Gedächtnisverlust, Sprachverwirrung, Ich-Auflösung markieren spätere Stadien, die bei Schweiger wie im Zeitraffer eintreten. Als das Thema Krankheit ausgereizt scheint, schwenkt die Handlung auf ein Roadmovie drolliger Kapriolen um. Kind und Kindskopf reisen nach Venedig. Per Zug und Viehtransporter, zu Fuß durch die Alpen, fotografiert als Sommerfrische.

Unterhaltsam

Wie von Schweiger gewohnt: Der Film tut herzig naiv, bugsiert den Zuschauer aber entlang genau kalkulierter Affekte, die mit Zwerchfell und Tränendrüse gekoppelt sind. Das ist unterhaltsam, aber die Blaupause scheint jederzeit durch.

 

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