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Schwere Vorwürfe gegen SPD-Ratsherr Lichtenberger

TV-Bericht über Missstände

Die Vorwürfe wiegen schwer: Laut Bericht des ARD-Magazins „Monitor“ soll die Bochumer Life Jugendhilfe GmbH einen 11-Jährigen aus Dorsten in eine intensiv-pädagogische Maßnahme nach Ungarn vermittelt haben, wo der Junge jedoch nur schlecht betreut werde. Nun geht die Life GmbH von SPD-Ratsherr Gerd Lichtenberger in die Offensive: Der Beitrag stelle die Situation verfälschend dar.

BOCHUM

, 05.05.2015 / Lesedauer: 3 min
Schwere Vorwürfe gegen SPD-Ratsherr Lichtenberger

Vernachlässigt und unzureichend betreut soll ein Elfjähriger worden sein, der über eine Bochumer Agentur in eine Betreuungsmaßnahme nach Ungarn vermittelt wurde.

„Die in der Reportage gezeigten Gebäude und Örtlichkeiten sind auf einem benachbarten Grundstück gedreht worden. Diese gehören nicht zur unmittelbaren Lebenswelt des betreuten Kindes“, heißt es in einer Stellungnahme der Life Jugendhilfe GmbH. Diese hatte im Oktober 2014 den Elfjährigen nach Ungarn vermittelt, wo er privat betreut werden sollte.

Eine entsprechende Therapie in Deutschland sei nicht möglich gewesen, da die Stadt Dorsten für den Jungen nur Absagen bekommen hätte. So entschloss sich die Stadt zu dem Therapieplatz im Ausland. Nach Aussage des ARD-Magazins sei der Junge auf einem verwahrlosten Hof untergebracht, werde nur unzureichend betreut, bekäme kaum Schulbildung.

Ein Vorwurf, der die Bochumer Web Individualschule betrifft. Denn die Einrichtung unterrichtet den Jungen über das Internet. Zu dem konkreten Fall wollte sich Schulleiterin Sarah Lichtenberger nicht äußern. Sie stellt jedoch klar, dass die vier Stunden Schulunterricht, die der Elfjährige laut TV-Beitrag bekommt, keine Seltenheit seien: „Alle unsere Schüler sind von der Schulpflicht befreit oder dauerhaft krankgeschrieben“, sagt sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Individueller Unterricht

Deshalb sei der Lehrplan in der Web-Individualschule auch nicht mit der Regelschule vergleichbar: „Es gibt Schüler bei uns, die sechs Stunden Unterricht am Tag schaffen. Es gibt aber auch Fälle, da ist aus gesundheitlichen Gründen nur eine halbe Stunde am Tag möglich“, so Lichtenberger, die die Tochter von Life Jugendhilfe GmbH-Geschäftsführer Gerd Lichtenberger ist.

Dessen Jugendhilfe betreut auch einen Jungen aus Bochum – und dort gebe es keine Probleme, heißt es seitens der Stadt Bochum: „Die Mitarbeiter des Jugendamtes kontrollieren die Örtlichkeiten, auch mehrfach“, sagt Stadtsprecher Thomas Sprenger. Dies gelte für alle intensiv-pädagogischen Maßnahmen, nicht nur für die der Life Jugendhilfe GmbH. „Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist immer besser“, so Sprenger weiter.

Auch Thema im Rat

Dass es an einer solchen regelmäßigen Überprüfung gemangelt habe, wird nun auch in Dorsten bestritten. Es habe diese in der Vergangenheit immer wieder gegeben, der Junge deutliche Fortschritte gemacht. Auch deshalb wird nicht derzeit nicht über einen Abbruch der einjährigen Betruung nachgedacht. Trotzdem nimmt man in Dorsten die Vorwürfe Ernst und schickt nun dennoch einen weiteren Mitarbeiter nach Ungarn, der bisher nicht mit dem Fall betraut war.

Am Donnerstag wird Gerd Lichtenbergers Jugendhilfe auch noch einmal Thema in der Ratssitzung werden. Auch weil der Verdacht im Raum steht, dass Lichtenbergers Jugendhilfe-Agentur einen Großteil der von der Stadt Dorsten gezahlten Kosten von monatlich fast 8000 Euroselbst einbehalten haben soll, was Lichtenberger jedoch bestreitet. Bis dahin steht nun erst einmal Aussage gegen Aussage.

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