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12-jähriger Schwerter kämpft gegen Cybermobbing

Hilfe für Opfer

Erst verteidigte er eine Klassenkameradin, dann wurde er selbst Opfer: Der 12-Jährige Lukas Pohland weiß, was Cybermobbing bedeutet. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen bietet er nun eine Cybermobbing-Hilfe an. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen und seinen Plänen, um Cybermobbing zukünftig zu verhindern.

SCHWERTE

, 15.08.2017
12-jähriger Schwerter kämpft gegen Cybermobbing

Lukas Pohland (12) hat Cybermobbing selbst erlebt und beschlossen zu handeln. Mit einer Cybermobbing-Hilfe will er anderen Jugendlichen helfen.

Mobbing ist auf Schulhöfen schon lange ein Problem: Seit es das Internet gibt, gibt es Mobbing aber auch im Netz. Dort wird anonym schikaniert, beschimpft oder sogar gedroht. Lukas Pohland (12), der nach den Ferien die achte Klasse der Realschule am Bohlgarten besucht, hat Cybermobbing selbst erlebt und beschlossen zu handeln. Mit einer Cybermobbing-Hilfe will er anderen Jugendlichen helfen und auch der NRW-Bildungsministerin, Yvonne Gebauer (FDP), hat er einen offenen Brief geschrieben. Wir haben mit Lukas Pohland gesprochen.  

Was ist Cybermobbing und wie macht es sich an der Schule bemerkbar?

Cybermobbing gibt es auf Facebook, Instagram, Twitter und auch per WhatsApp. An der Schule kommt das schon öfter vor. Schüler werden dann bei Instagram beschimpft oder es gibt beispielsweise Leute, die Fake-Profile bei Facebook anlegen und dort dann Nacktfotos hochladen, über die die Gesichter anderer gelegt werden.  

Wieso engagierst du dich gegen Cybermobbing?

Ich habe im Frühjahr einem Mädchen in meiner Klasse geholfen, die von der ganzen Klasse gemobbt wurde. Per SMS und WhatsApp. Da wurden Dinge geschrieben wie: ‚Mit welchem Messer sollen wir sie abstechen?‘ Als ich für sie eingetreten bin, bin ich auch gemobbt worden. Auf einem Twitterprofil gab es Beleidigungen gegen mich, von wegen, ‚dass wir uns noch auf die Straße trauen‘. Oft sind es Mitschüler, die so etwas machen. Das macht das ganze Klima in einer Klasse kaputt. Das Mädchen, das gemobbt wurde, hat die Schule gewechselt. Auch meine Eltern und ich haben darüber nachgedacht, aber ich möchte wegen so einem Schwachsinn nicht die Schule wechseln.

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Wie hast du auf die Beschimpfungen reagiert?

Ich habe, als es angefangen hat, sofort mit meinen Eltern darüber gesprochen. Am Anfang ging es ja noch, aber dann haben wir mit der Schulleitung ein Gespräch gesucht. Das hat leider nicht viel ergeben. Wir haben auch mit einer Sozialarbeiterin gesprochen, letztlich ging der Fall zur Polizei. Die konnte aber nicht viel machen, da die, die es wahrscheinlich waren, nicht strafmündig sind. Außerdem wurden einige Fotos schon wieder aus dem Netz gelöscht.  

Bedrückt dich das Thema, wenn du an das Ende der Ferien denkst?

Nein, es belastet mich nicht mehr so sehr. Ich denke, wer sich nicht traut, mir persönlich seine Kritik in Gesicht zu sagen, hat für mich keine Bedeutung. Mobben ist uncool, helfen ist cool.  

Was ist das Besondere am Mobbing im Netz?

Cybermobbing ist nicht wie Pausenhofmobbing – so nenne ich das jetzt mal. Das Pausenhofmobbing findet in der Schule statt und endet, wenn man nach der Schule nach Hause geht. Vor dem Mobbing im Internet aber kann man nicht weglaufen. Es verfolgt einen. Es ist im Bus da, einfach überall, bei WhatsApp, auf Facebook, überall. Im Internet braucht man ja keinen Mut, man ist anonym. Es ist anderes Mobbing, als es ‚face to face‘ zu sagen.

Was rätst du Jugendlichen, die gemobbt werden?

Sucht euch Hilfe. Sprecht mit euren Eltern, mit guten Freunden oder mit Lehrern und dem Schulpsychologen.  

Wie können Erwachsene betroffenen Kindern und Jugendlichen helfen?

Eltern sollten ihren Kindern zuhören und sie unterstützen. Außerdem muss Präventionsarbeit an Schulen geleistet werden. Man muss den Schülern medienpädagogische Themen vermitteln, die psychologische und die technische Ebene. Und zwar nicht nur im Rahmen von einer Stunde, sondern regelmäßig.

Das forderst du auch in dem offenen Brief, den du an die NRW-Ministerin Gebauer und einige Landtagsmitglieder geschrieben hast.

Ja, ich habe diesen Brief gemeinsam mit der Cyberpsychologin Catarina Katzer verfasst. Noch habe ich keine Antwort aus der Politik erhalten. Aber wir fordern, dass Cybermobbing und Medienerziehung in den Lehrplan integriert werden.  

Du hast eine Cybermobbing-Hilfe ins Leben gerufen. Wie funktioniert die?

Es ist eine Hilfe von Jugendlichen für Jugendliche. Wir sind zu siebt. Ich habe zu Beginn einen Aufruf gestartet und es haben sich aus ganz Deutschland Helfer gemeldet. Es gibt zwar ab und an Scherzanrufe, die sind ärgerlich. Aber teils höre ich auch sehr krasse Geschichten. Manche Leute werden über Jahre gemobbt. Manchmal erzählen die Leute nur kurz, manchmal länger. Aber es hilft, wenn man jemanden zum Reden hat.  

Wie seid ihr erreichbar?

Wir sind mittwochs von 15 bis 17 Uhr erreichbar unter folgender Telefonnummer: 023043389915.

Info
  • Das Kriminalkommissariat Prävention / Opferschutz kommt auf Anforderung zu Lehrer- und Elternabenden. Mitarbeiter informieren dort im Rahmen der „Multiplikatorenausbildung“ über das Thema Cybermobbing. „Alle Klassen gezielt zu besuchen können wir nicht leisten“, sagt Opferschutzbeauftragte Bettina Dresselhaus. Daher setze man auf den Einsatz von Multiplikatoren.
  • Filme zum Thema bietet das Landespräventionsamt auf seiner Internetseite an.
  • Die Schwerter Cybermobbing-Hilfe von Lukas Pohland ist ebenfalls online vertreten unter

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