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Aus Liebe den Wald abgeholzt

SCHWERTE Per Los zur letzten Ruhestätte: Nach diesem Verfahren teilte der Ergster Amtmann die Gruften zu, als 1873 der Friedhof auf dem Semberg eröffnet wurde.

von Von Reinhard Schmitz

, 23.11.2007

Eine Urkunde aus dieser Zeit hat Jutta Götzke von ihrem Ur-Urgroßvater Dietrich Pentling geerbt. Zwar ist die Grabstelle längst nicht mehr im Familienbesitz, doch viele andere Zeugnisse erzählen auf dem ältesten städtischen Friedhof noch von der Bestattungskultur früherer Zeiten. So wie vor Gott im Tode alle gleich sind, ruhen Großbauern einen Steinwurf entfernt von Arbeitern, Soldaten in Sichtweite von jüdischen Familien. Niemals verwelken die Rosen auf dem Bukett, das Angehörige für ein Seemannsgrab einmeißeln ließen. 300 Jahre Begräbnisse         Unter echten Baumriesen ruhen dagegen die verstorbenen Besitzer von Gut Halstenberg. In den den Bürenbrucher Wäldern versteckt sich das gepflegte Erbbegräbnis, auf dem schon vor 300 Jahren Rotger und Margreita Halstenberg zu Grabe getragen wurden, wie ein wunderschöner Sandstein immer noch verrät. Noch 1996, so verkündet es Gusseisen ein paar Schritte tiefer, fand unter dem Blätterdom die letzte Beerdigung statt. Zeichen ewiger Liebe Eine rührende Geschichte, die die Tafeln verschweigen, weiß der in der Nähe aufgewachsene Lothar Meißgeier zu berichten: In den 50-er Jahren ließ eine Witwe von Gut Halstenberg eine Schneise quer durch den Wald bis zum Grab ihres Mannes schlagen, damit auch im Tode noch freien Blick auf sein Anwesen habe. Ein Zeichen ewiger Liebe, das immer noch an der Reihe junger Bäume zu erkennen ist.   Soldaten neben Zwangsarbeitern   Nur symbolhaft läutet die steinerne Glocke, die auf dem Westhofener Friedhof an die frühere Glockengießer-Dynastie Rincker erinnert. Das Gräberfeld unter der Autobahn A1, etwa zur gleichen Zeit eröffnet wie die Ergster Anlage, mahnt auch an die Schrecken der Weltkriege. Soldaten liegen hier begraben, die noch kurz vor dem Ende des Tötens 1945 ihr junges Leben lassen mussten. Daneben leuchtet ein Sowjetstern für 19 russische Zwangsarbeiter, die von den Nazis verschleppt fern ihrer Heimat starben. Berichten Stelen auf Hebräisch und Deutsch von jüdischen Mitbürgern.Versteckte jüdische Gräber Ein weiteres jüdisches Grab versteckt sich an dem schmalen Fußweg, der von der Reichshofstraße zum Hohlweg hinaufsteigt. Hinter einer dichten Kirschlorbeerhecke findet Lothar Meißgeier den einzigen Stein mit verwitterten hebräischen Inschriften: „Das ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als der Friedhof noch in der Kalwacke im Steinbruch war.“ Nicht ganz so alt sind die prächtigen historischen Gräber auf dem Evangelischen Friedhof an der Hörder Straße. Wie ein Altar erscheint dort das mächtige Monument, das die Gutshof-Besitzer Hohenschwert aufrichten ließen.  „Leider sind viele alte Denkmäler früher entfernt worden, weil sie nicht mehr standsicher waren“, bedauert Verwalter Frank Schröer. Ein ganz besonderes Kleinod wird von der Evangelischen Kirchengemeinde jedoch erhalten: Die Kellergruft der Familie Klewitz, deren Platte aus schwarzem Granit einen gefliesten Raum beschützt, in dem in früheren Zeiten die Särge beigesetzt wurden.    

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