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Unbekannt verzogen

SCHWERTE Sie waren Deutsche, sie waren Schwerter – doch während der Nazizeit wurden sie aus ihren Wohnungen geholt, verschleppt und ermordet: die Juden in der Ruhrstadt.

von Von Carolin Höher

, 07.11.2007
Unbekannt verzogen

Der Historiker und Journalist Alfred Hintz referierte über Judenschicksale in Schwerte.

Der Journalist und Historiker Alfred Hintz hielt am Dienstag einen Vortag über das Schicksal Schwerter Juden während des Holocausts in der St.-Viktor-Kirche. Anlass dieser Veranstaltung war die von ihm inszenierte Ausstellung in Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.Nazis vertrieben Frau aus ihrem Haus  Eine ältere Frau lebte seit 30 Jahren in einem kleinen Fachwerkhaus, bis die Nazis sie aus ihrem Haus vertrieben und später, wahrscheinlich in einem KZ, ermordeten. Diese Frau war Jüdin und zur Hitlerzeit in Schwerte zu Hause. Mit dieser wahren Geschichte begann Alfred Hintz seinen Vortrag über die Verbrechen, das Leiden, aber auch die selbstlose Zivilcourage einiger Mitbürger.Von Ausgrenzung bis zum Massenmord Er beschrieb präzise den Aufstieg Hitlers und des Nationalsozialismus in Deutschland und schilderte chronologisch den Verlauf des Holocaust. Von Diskriminierung über Degradierung und Ausgrenzung bis hin zum Massenmord führte er Einzelschicksale Schwerter Juden auf. Von 107 Schwertern jüdischen Glaubens verließen 52 in den 1930er-Jahren die Stadt oder gar das Land; 58 dieser Mitbürger wurden in KZ deportiert, 47 wurden dort von den Nazis ermordet, acht überlebten; 35 Menschen zog es nach Nord- und Südamerika sowie nach Indien, das Schicksal von acht Personen ist unbekannt.Schwerter zeigten Zivilcourage Neben den Gräueltaten erwähnte Alfred Hintz jedoch auch die Zivilcourage einiger Schwerter ihren jüdischen Mitbürgern gegenüber. Nonnen des Franziskanerordens versteckten einige Verfolgte im Keller des Marienkrankenhauses, nichtjüdische Angehörige verwalteten das Vermögen derer, die fliehen mussten, um zu überleben. Hintz‘ abschließendes Urteil: Nicht alle Deutschen waren judenfeindlich. Viele hatten einfach nur Angst oder wollten die Gerüchte nicht wahr haben. Auch das möchte der studierte Historiker klar machen. Er entschuldigte oder verharmloste das Verhalten der Menschen dabei keineswegs, sondern erklärte es und machte es leichter nachvollziehbar.

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