Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Seelendrama erzählt von traumatisiertem Melancholiker

Kino: "Träum was Schönes"

Vielleicht braucht es einen ruhigen, leisen Film, damit man merkt, wie sehr das Gegenwartskino doch von Hechelei und Gedröhne infiziert ist: Einen Ausnahme-Film wie Marco Belocchios „Träum was Schönes“, dessen getragene Erzählweise für amerikanisches Denken pures Kassengift wäre.

18.08.2017 / Lesedauer: 2 min
Seelendrama erzählt von traumatisiertem Melancholiker

Ein Herz und eine Seele: Massimo (Nicolò Cabras) und die Mutter (Barbara Ronchi) schauen gerne Horrorfilme.

Warum sollte sich ein italienischer Altmeister von 80 Jahren um die Machart von Kommerzstreifen scheren? Ja, Belocchios Film hat einen langen Atem, der leicht phlegmatisch daherkommt. Was aber Sinn macht, wenn sich der Kinogänger auf die Geschichte einlässt und entsprechend heruntertemperiert.

Das Naturell der Inszenierung findet nämlich im Charakter der Zentralfigur Massimo eine Entsprechung – Bellocchio gießt das Lebensgefühl des Jungen (und späteren Mannes) in den Rhythmus der Erzählung. Der erwachsene Massimo (Valerio Mastandrea) ist ein stiller Melancholiker, der emotional wattiert durch den Tag geht.

Tod der Mutter macht ihn zum Melancholiker

Dass er innerlich so verkapselt ist, hat mit dem Tod seiner Mama zu tun, die er mit neun Jahren verlor. Der Film beginnt mit einer Szene, wo Mutter (Barbara Ronchi) und Kind (Nicolò Cabras) Twist tanzen. Sie sind ein Herz und eine Seele. Der Junge ist ein Muttersöhnchen, wie es im Buche steht.

Als er die Mama beim Versteckspiel nicht findet, sieht man die Verlorenheit in seinen Augen. Ein Gefühl, das ihn begleiten wird, lange nach Muttis Tod. Plötzlich ist sie weg, und Massimo vergräbt sich in seinem Schmerz.

Seelendrama ist Kinokunst von Reife und Klasse

Er hadert mit Gott und der Welt, er versteht nicht, wie das Leben weitergehen kann. Glaubhaft und sensibel erzählt Bellocchio aus der Warte Massimos, der noch als Journalist an seinem Trauma laboriert.

Mama, warum hast Du mich verlassen? Auch als Kriegsreporter bleibt Masimo ein kühler Beobachter, er wirkt oft wie ein Zaungast des eigenen Lebens. Ein subtil gespieltes Psychogramm, ein kluges, rührendes Seelendrama. Kinokunst von Reife und Klasse.

 

Schlagworte: