Seit fünf Jahren führt Thomas Udovic den Second-Hand-Laden Tom's Corner

Sammler aus Leidenschaft

BOCHUM Was andere nicht mehr haben wollen, ist sein Lebenselexier. Sammler Thomas Udovic hat das Hobby zum Beruf gemacht. Sein Laden Tom's Corner hat seit fünf Jahren seinen festen Platz und sorgt für ein bisschen Farbe im tristen Grau der Alleestraße.

von Von Christian Rothenberg

, 22.01.2010, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein ganz normaler Nachmittag im Ladenlokal Metzstraße 1: "Kann ich helfen", fragt Thomas Udovic. "Was kostet ein Plia-Stuhl", fragt der Kunde. "30 Euro das Stück." "Ich geb' dir 90 für vier." "Vergiss es." "Da steht nicht Plia drauf. Sind die echt?" "Hör ma', ich hab 30 Stück davon, da steht nirgendwo Plia drauf."

Vom Hobby zum Beruf Udovic macht keiner etwas vor. Der gelernte Schreiner sammelte schon als Jugendlicher Schallplatten, später auch Möbel. Als er 2005 arbeitslos wurde, machte er das Hobby zum Beruf und eröffnete Tom's Corner. Anfangs verkaufte er Teile des Privatinventars. Mangels Kapital.

Großer Traum "Ich habe immer von so einem Laden geträumt", erzählt Udovic. Reich werde man damit nicht, aber "ich hätte nie gedacht, dass sich das so lange hält". Trotz einer Laden-Erweiterung 2007 muss der Kunde vorsichtig sein, sobald er sich durch den Laden bewegt: Eine unbedachte Bewegung und das Küchenservice aus den 50ern liegt in Scherben.

Schwer nostalgisch Um den Laden zu füllen, besucht Udovic Händler und Flohmärkte - auch im Ausland - und kauft von Privatleuten. Platten, Lampen, Werbetafeln, Möbel, Telefone, Vasen, Kaugummiautomaten, Taschen und Prilblümchentapeten: Ausgefallen muss es sein, am besten aus den 50ern, 60ern oder 70ern. Alt, aber eben retro und deshalb schwer nostalgisch. Eine Frau fragt nach dem Preis für eine Tasche. "Das ist eine Bowlingtasche von 1960, 50 Euro", erklärt der Bochumer.Modische Trend-Renaissancen

Mit Antiquitäten wie Biedermeier und Standuhren sei nichts mehr zu holen. "Die Generation stirbt aus." Aber Udovic weiß um die modischen Trend-Renaissancen. "In den 80ern waren die 50er angesagt, da hatten wir alle 'ne Rockabilly-Locke", erinnert er sich. "Jetzt sind es die 70er, bald wieder die 50er." Die heutigen Modelle seien lediglich neue Ausformungen der alten. "Den Designern fällt ja kaum noch was Neues ein." Qualitativ seien die alten Möbel viel hochwertiger als die neuen: "Das sind alles nur Spanplatten."

Innenarchitekten und Studenten Das Publikum ist bunt. Vom Innenarchitekten bis zu Studenten und DJs, die sich im Keller bei einer Tasse Kaffee eine der 5000 Platten anhören. Sogar aus Berlin und Hamburg kommen viele, "weil da alles teurer ist".

Das Sammeln ist seine Leidenschaft. "Ich nehme häufig was mit nach Hause, wenn es mir gefällt", erzählt der 45-Jährige. Udovic streicht über einen Coca-Cola-Kühlschrank von 1954, der früher in der Herner Lichtburg stand. "Bei vielen Dingen fällt es schwer, sich davon zu trennen." Seit einem halben Jahr ziert auch ein Zigarettenautomat von 1925 den Laden. "Das dürfte der einzige sein, der noch existiert." Ein paar Meter weiter steht ein Tefifon. Das Gerät ist aus den 50ern und wird wie eine Schallplatte abgetastet. "Das hat sich damals nicht durchgesetzt", sagt Udovic.

Café mit Programmwechsel Sein Traum ist es, eines Tages ein Café zu eröffnen. "Alle paar Wochen gibt es Programmwechsel", erklärt er. "Zwei Wochen 50er-Jahre-Look, dann zwei Wochen 70er." Und natürlich kann alles gekauft werden.