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Selmer Künstler hielt Abriss der St.-Josef-Kirche fest

Heinz Cymontkowski

"Wenn Kirche sich von Kirche trennt – was heißt das?" Diese Frage stellt sich der Selmer Künstler Heinz Cymontkowski. Den Abriss der St.-Josef-Kirche Ende 2016 hat er damals fotografisch begleitet. Jetzt arbeitet er an einer Dokumentation, die demnächst in Form eines Begleitheftes erscheinen soll.

SELM

, 01.02.2017
Selmer Künstler hielt Abriss der St.-Josef-Kirche fest

Das Altarbild wird abgerissen: Diesen Moment hat Heinz Cymontkowski mit der Kamera eingefangen.

Eines der 600 Bilder vom Abriss der St.-Josef-Kirche hat Cymontkowski bereits zu einer Ansichtskarte verarbeitet: Der Moment, in dem das Altarbild abgerissen wird. „9.30 Uhr, 30. Nov. 2016“ steht auf dem unteren Rand der Karte.

„Das Altarbild war das Wichtigste, das Prägnanteste“, erinnert sich der Künstler an das Gebäude der Kirche. „Ich habe es in dem Moment fotografiert, in dem die einzelnen Bausteine zerfließen; das Altarbild löst sich auf.“

Der Abriss des Gotteshauses, das die Kirchengemeinde aus Kostengründen nicht mehr unterhalten konnte, beschäftigt den Selmer. „Heute gilt nur noch Effizienz als gesellschaftlicher Nutzwert“, stellt er fest. „Eine Kirche ist aber auch immer ein Symbol, wir leben ja in einer christlichen Welt.“

Obwohl er selbst kein regelmäßiger Kirchgänger sei, hat Cymontkowski eine persönliche Verbindung zur Josefskirche. „Meine Mutter hatte hier im Jahr 1938 im Alter von zehn Jahren ihre Erstkommunion. Ich selbst bin in der Kirche getauft worden“, erzählt der 62-Jährige.

Cymontkowski ist sich völlig darüber im Klaren, welche Beweggründe die Gemeinde für ihren Entschluss hatte. Und sein Blick auf den Abriss des Gebäudes erscheint alles andere als sentimental. „Es geht mir nicht darum, Vergangenheit wieder herzustellen, sondern darum, sich damit auseinanderzusetzen.“

Cymontkowski erinnert auch an den Abriss der Löwenapotheke

Seit vielen Jahren dokumentiert der Selmer bauliche Veränderungen, Abrisse und Freiflächen in seiner Stadt. Besonders innerhalb der vergangenen fünf Jahre sei der Umbruch enorm gewesen. „Da muss man manchmal schon durchatmen.“ So erinnert Cymontkowski an den Abriss der Löwen-Apotheke vor zwei Jahren. „Wir leben mit stetiger Veränderung, aber ist immer die Funktionalität wichtig? Kommt es nur darauf an? Die Bürger mögen es hin und wieder auch gemütlich.“

Neben den Bildern hat Cymontkowski auch greifbare Andenken an das Kirchengebäude: „Die Handwerker haben mir erlaubt, einige alte Stühle und Mauersteine mitzunehmen.“ Auch ein altes Kippfenster mit Eisenwinkeln aus der Lichtleiste des Kirchenraums durfte er behalten. Mit seiner Dokumentation über die St.-Josef-Kirche möchte Cymontkowski einen Teil der Stadtgeschichte sichtbar machen und dabei gleichzeitig Denkprozesse anstoßen. 

So können Sie eine der Ansichtskarten erwerben
Von der Ansichtskarte mit dem Altarbild gibt es 500 Stück. Der Künstler möchte sie zum Preis von 2 Euro verkaufen; der Erlös soll den Kinderkunst-AGs zugutekommen, die er an Offenen Ganztagsschulen veranstaltet. Da noch nicht feststeht, an welchen Stellen die Karten demnächst ausliegen sollen, kann man Cymontkowski bei Interesse gern anrufen: Tel. 0177/9641519. 

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