Seltene Ehre: Staatsakt für Genscher in Bonn

Bis zu 1000 Trauergäste

Gut drei Jahrzehnte wirkte Hans-Dietrich Genscher politisch in Bonn. In der ehemaligen Bundeshauptstadt wird der verstorbene FDP-Politiker und langjährige Außenminister am kommenden Sonntag nun auf besondere Weise geehrt.

Bonn

16.04.2016, 09:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine seltene Ehre für Hans-Dietrich Genscher. Der letzte Staatsakt in Bonn liegt schon lange zurück - er war 1998.

Eine seltene Ehre für Hans-Dietrich Genscher. Der letzte Staatsakt in Bonn liegt schon lange zurück - er war 1998.

Mit einem Staatsakt in Bonn nimmt die Bundesrepublik Deutschland an diesem Sonntag Abschied von ihrem langjährigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Voraussichtlich bis zu 1000 geladene Gäste werden an der feierlichen Trauerveranstaltung im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags, dem heutigen World Conference Center, teilnehmen. Bundespräsident Joachim Gauck wird die Verdienste Genschers würdigen. Außerdem reden Genschers Nachfolger als Außenminister, Klaus Kinkel (FDP), sowie der frühere US-Außenminister James Baker und der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer.

Ein Architekt der deutschen Einheit

Genscher war am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben. Er gehörte dem Bundestag 33 Jahre lang an und war gut zehn Jahre Bundesvorsitzender der FDP. Der in Halle an der Saale geborene Genscher gilt als einer der Architekten der deutschen Einheit. 1969 wurde er Innenminister, von 1974 bis zu seinem Rücktritt 1992 war er Außenminister und Vizekanzler. Während seiner gesamten politischen Karriere wirkte er in Bonn, wo er auch 60 Jahre lang wohnte.

Zu dem Staatsakt am Sonntag kommen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU), der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, und hochrangige Vertreter aus den Bundesländern. Erwartet werden außerdem der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), sowie der frühere Bundespräsident Christian Wulff und Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

Seltene Ehre für Genscher

Bundespräsident Gauck hatte den Staatsakt angeordnet - eine seltene Ehre. Zuletzt war sie im Jahr 2000 einem Bundesminister zuteil geworden - dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Josef Ertl. Für den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hatte es 2015 Staatsakte gegeben. Der letzte Staatsakt in Bonn liegt schon lange zurück - er war 1998 zu Ehren des früheren Bundestags-Vizepräsidenten Richard Jaeger abgehalten worden.

Auch eine militärische Ehrerweisung für Genscher ist vorgesehen. Ein Musikkorps der Bundeswehr spielt einen Choral, Soldaten tragen den Sarg an einem Ehrenzug vorbei. Dann schließt sich ein nicht öffentlicher Trauerempfang an. Für Sonntag hat das nordrhein-westfälische Innenministerium landesweit Trauerbeflaggung angeordnet. Es wird erheblich erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben.

Von dpa