Senioren helfen Kindern mit Migrationshintergrund

Neue "Glückskäfer" gesucht

40 Jahre lang war Eva Martin Grundschullehrerin. Jetzt ist die Ruheständlerin ein „Glückskäfer“. Gemeinsam mit anderen älteren Menschen aus Bochum betreut sie als Patin Kinder mit Migrationshintergrund. Das Projekt sucht jetzt neue Helfer.

BOCHUM

, 31.01.2015 / Lesedauer: 2 min
Senioren helfen Kindern mit Migrationshintergrund

Die beiden Betreuerinnen der Arnoldschule (l.) freuen sich über die Arbeit der vier Paten Walter Mosner, Adolf Großmann, Eva Martin und Marita Müller-Bennent (v.r.).

„Das ist für mich die pure Freude an den Kindern – ohne die Bürokratie“, sagt Eva Martin. Zwei, drei Stunden pro Woche investiert sie in die Unterstützung ihres Patenkindes. „Wir haben uns auf den Dienstag geeinigt“, sagt sie. Dann kommt ihr Patenkind zu ihr, lernt mit ihr Deutsch und Deutschland kennen.

Oft kein Bezug zu Großeltern

Woher die Kinder kommen, ist sehr unterschiedlich. In der Agnesschule, einem der Kooperationspartner des Glückskäfer-Projekts, stammen die Kleinen aus Kamerun, Rumänien und dem Rest der Welt. Nicht alle von ihnen sind Flüchtlinge, viele sind auch mit ihren Eltern ganz klassisch nach Deutschland eingewandert. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Ohne individuelle Förderung hätten sie später im Berufsleben schlechte Chancen. Hinzu kommt, dass viele Familien durch ihre Auswanderung in ein fremdes Land weit auseinandergerissen seien, wie Anke Stubler von der Arnoldschule sagt: „Für viele Kinder ist das gar nicht mehr normal, dass sie einen Bezug zu Oma oder Opa haben.“

Genau da setzt das bereits 2008 ins Leben gerufene Projekt an. Lebenserfahrene Menschen sollen den Kindern vermitteln, dass sie in Bochum eine Heimat finden können – und zugleich die Lernprozesse der Kinder unterstützen.

In der Schule oder anderswo treffen

43 Paten gibt es derzeit in Bochum. Da eine 1:1-Betreuung gewünscht ist, sind das eigentlich zu wenige: „Bedarf ist auf jeden Fall immer da“, sagt Stubler. Dabei könne jeder helfen – auch wenn einige der Paten einen schulischen Hintergrund haben.

So wie Marita Müller-Bennent. Die frühere Gesamtschullehrerin wollte nach ihrer Pensionierung „nicht auf dem Sofa sitzen“, sondern ihre „Kraft in Kinder investieren“. Sie ist gerne Patin – gerade, weil ihr das Projekt Raum zur Mitsprache ermöglicht: „Man kann sich in der Schule treffen, aber auch privat anderswo“, sagt sie.

Wer mitmachen möchte, meldet sich beim Seniorenbüro Mitte, Heuverstraße 2, Tel. (0234) 92 78 63 90.

Auch wenn empfohlen wird, erst einmal den geschützten Raum Schule zu nutzen, hat die Ausdehnung auf den privaten Kontakt für die frühere Lehrerin positive Folgen gehabt: „Ich bin nicht nur Helferin, sondern mit meinem Patenkind befreundet“, sagt sie. Derzeit sucht das Projekt weitere Paten, aber auch Schulen als Kooperationspartner. Denn die Vermittlung von Paten und Kindern erfolgt in enger Abstimmung mit den Schulen. 

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