Senioren trainieren sich mit Hanteln fit für den Alltag

Augustinum

HOMBRUCH Im Augustinum wird derzeit sportlich experimentiert. Die 15 Probanden sind alle über 80 Jahre alt, ihre Hilfsmittel sind Hanteln. Das Ziel ist ihre Mobilisierung für Alltagstätigkeiten. Sechs Wochen haben die Senioren und ihre Trainerin dafür Zeit.

von Von Inga Wolter

, 29.01.2010, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Hattet ihr nach dem letzten Mal keinen Muskelkater? Kein Unwohlsein?", fragt "Versuchsleiterin" und Physiotherapeutin Silvia Janys. Die fünf Senioren schütteln den Kopf. "Habt ihr euch frischer gefühlt?" Das noch nicht - sie haben ja erst drei Mal trainiert. Los geht's mit Aufwärmen. Die Senioren rutschen auf die Stuhlkante, legen die Hände ans Becken und schieben es vor und zurück. Sie beugen den Oberkörper nach vorne und wieder nach hinten. "Das nutzt euch fürs Aufstehen!", erklärt Janys - und weiter geht es mit Schultern hochziehen und kreisen. Knie machen nicht mehr so mit, wie sie sollen

Auch Hanteln kommen in Bewegung. Schon anstrengender. Da sind die Senioren froh, als Silvia Janys ihnen eine "kurze Phase des Ruhens" gönnt. Beim Aufstehen danach muss die Physiotherapeutin einigen Teilnehmern helfen, weil die Knie "nicht mehr mitmachen".

"Ich habe starken Schwindel und oft das Gefühl, dass das Blut aus dem Kopf geht", sagt Helmut Rockholtz. Auch Helga Jünger erzählt: "Mir ist oft schwindelig. Drei Mal bin ich schon gefallen und hatte Wirbelbrüche." Für die beiden "Fit für die 100"-Gruppen haben Silvia Janys und Leiterin Dina Horn bewusst sturzgefährdete Menschen ausgesucht, für die ein solches Bewegungstraining besonders sinnvoll ist.Mobilisierung für Alltagstätigkeiten

Ziel ist, vor allem die Arm-, Bein- und Rückenmuskulatur der Teilnehmer zu stärken und somit möglichen Stürzen vorzubeugen. Auch sollen die Senioren wieder für Alltagstätigkeiten wie An- und Ausziehen mobilisiert werden und eventuell, nach vielen Trainingsstunden, auf ihren Rollator verzichten können.

Vorläufiges Ergebnis des Experiments: Die Bewegung macht vor allem Spaß. "Es gefällt mir sehr gut", sagt Elisabeth Grote. Sie hat schon lange Hanteln im Schrank liegen, aber alleine in ihrer Wohnung hat sie nie trainiert. "Das gemeinsame Üben macht Spaß, aber eine Besserung sehe ich noch nicht," meint sie.

Was sie und die anderen Teilnehmer nach der ersten Trainingsphase von sechs Wochen sagen, werden wir berichten.

Sport verbessert die Lebensqualität im Alter

  • Sport und Beweglichkeit kann die Lebensqualität im Alter verbessern. Fast alle Sportverein bieten Kurse speziell für ältere Teilnehmer und auch für Menschen mit eingeschränkter Bewegunglichkeit an.
  • Seniorensport ist neben Gesundheitssport und Rehabilitationssport eine wichtige Säule im Kursprogramm. Neben Gymnastik, z.B. in „Jedermann-Gruppen“, ist Prellball eine beliebte Sportart bei Senioren.
  • Im Alter baut der Körper die Muskulatur ab, und auch Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit lassen nach. Mit Sport, der auf Senioren und ihre Fähigkeiten zugeschnitten ist, kann man gegensteuern und nebenbei das Selbstwertgefühl steigern.
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