Sexismus-Vorwurf gegen SPD-Fraktionschef in Unna

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Der Führungsstil von Volker König war in der SPD schon mehrfach Gegenstand der Kritik. Nun rechnet Oberstadt-Ortsvorsteherin Ingrid Kroll mit ihm ab: Er habe ein machohaftes Naturell.

Unna

, 29.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Kroll wirft König eine „maßlose, diskriminierende sowie ehrverletzende Polemik“ vor. Im Beisein Dritter habe der Fraktionsvorsitzende sie „öffentlich und machohaft unsäglich beschimpft sowie Intelligenz und Wissen abgesprochen“. Sein Auftreten erfülle die Bedingungen der „#metoo“-Debatte in Gänze. Zu seinen Gunsten sei nur anzuführen, dass König in den Jahren auch andere Genossinnen „derart beschimpft und durch den Dreck gezogen“ habe, etwa Bärbel Risadelli, Margarethe Strathoff und Gudrun Friese-Kracht.

Streit vor dem Ratssaal

Hintergrund ist ein lautstark ausgetragener Streit zwischen König und Kroll im Anschluss an eine Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Vor dem Ratssaal und damit im öffentlichen Raum sah sich die Ratsfrau aus der Oberstadt der Kritik ausgesetzt, weil sie in einer wichtigen Frage gegen ihre eigene Fraktion gestimmt hatte: Der Neubau einer Flüchtlingsunterkunft an der Kamener Straße wird von der SPD im Wesentlichen befürwortet, von Kroll aber abgelehnt.

Stadtrat

Fraktionszwang ist nicht zulässig

  • Laut Gesetz sind Ratsmitglieder dem eigenen Gewissen verpflichtet. Fraktionszwänge oder Parteiaufträge gibt es demnach nicht.
  • Die ungeschriebenen Gesetze sind andere: Wer andere Positionen vertritt als die eigene Fraktion oder Partei, setzt sich Druck aus und muss damit rechnen, spätestens bei der Kandidatenaufstellung für die nächste Wahl durchzufallen.
  • Um diesen Zwiespalt aufzulösen hat der Stadtverbandsvorsitzende der FDP, Sven Albert, für die Entscheidung über ein neues Flüchtlingsheim am Mittwoch eine geheime Abstimmung vorgeschlagen. Die Liberalen sind gegen den Neubau und hoffen auf weitere Abweichler in der SPD neben Kroll.
  • Damit es zur geheimen Abstimmung kommt, muss diese zunächst von einer Fraktion im Stadtrat beantragt werden. Folgen elf der 52 Ratsmitglieder diesem Antrag, ist dieser angenommen.

Die anschließende Auseinandersetzung darüber wird von den beiden Streitparteien unterschiedlich geschildert. Unter anderem soll König der Ratsfrau vorgehalten haben, sie käme nur aus dem Einzelhandel und würde ständig dusselige Fragen stellen. König, vor seiner Pensionierung Polizeibeamter, fasst das Gespräch derart zusammen, dass er und Kroll „in aller Kürze ein paar Worte gewechselt“ hätten.

E-Mail von Kroll zieht weite Kreise

Kroll soll dieses Gespräch dann abgebrochen haben und davongegangen sein. Nach einer Bedenkzeit entschied sie sich dazu, eine E-Mail an den Fraktionsvorsitzenden zu schreiben, um ihm sein Verhalten vor Augen zu führen.
Dieses Schreiben, das die Ratsfrau aus der Oberstadt direkt an die Privatadresse von Volker König gerichtet hatte, lässt kein gutes Haar am Fraktionsvorsitzenden und zeigt, wie tief das Zerwürfnis zwischen König und Kroll ist. Inzwischen hat es innerhalb der Partei und darüber hinaus Verbreitung gefunden. Möglicherweise hat der angeschuldigte Volker König dazu selbst seinen Beitrag geleistet: Zumindest den übrigen Mitgliedern des Fraktionsvorstandes habe er die Mail weitergeleitet, räumt er ein.

Ortsverein sucht Gespräch mit Kroll

Aber auch dem Vorstand von Krolls Ortsverein in der Oberstadt liegt das Schreiben vor. Er hat Ingrid Kroll für diesen Dienstag zu einem klärenden Gespräch gebeten. Worum es in dem Gespräch im Ortsverein gehen soll, ist nicht völlig klar. Der Vorsitzende Bernd Dreisbusch betont allerdings, dass er „keinen Auftrag davon ableitet“, Kroll stellvertretend für den Fraktionschef ins Gewissen zu reden. „So einen Auftrag würden wir auch nicht annehmen“, erklärte er.

König bittet Bürgermeister um Vermittlung

König selbst hat auf das Schreiben seiner Fraktionskollegin nicht geantwortet. Dennoch habe er ein Gesprächsangebot unterbreitet, betont er: Er habe dem Bürgermeister, von dem er wusste, dass er einen Termin mit Ingrid Kroll habe, die Bitte gestellt, vermittelnd zu wirken. „Wir kriegen das schon geklärt“, so König gegenüber unserer Redaktion.
Kroll indes spricht auf Anfrage von tiefen Verletzungen, die die Worte des Fraktionsvorsitzenden bei ihr hinterlassen hätten. „Da wurde richtig geschrien. Das war Arroganz pur.“ Sie sei wütend und traurig, versucht aber auch, ihre eigene Position zu rechtfertigen. „Dusselige Fragen zum Beispiel gibt es doch gar nicht“, sagt Kroll. „Wenn jemand eine Frage stellt, weil ihm etwas noch nicht ganz klar ist, dann heißt das doch nur, dass es ihm wirklich wichtig ist mit einer Sache.“

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