Sie malt, und er heimst den Ruhm ein

Kino: "Big Eyes"

Eine Frau produziert Bilder, die sich als Druck und Postkarte millionenfach verkaufen, während ihr Mann sich als Urheber ausgibt und den Ruhm einheimst. Oscar-Preisträger Christoph Waltz mimt in "Bis Eyes" den Hanswurst, den Tim Burton in einem Komödien-Leichtgewicht über das Ziel hinaus schießen lässt.

DORTMUND

, 24.04.2015, 14:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sie malt, und er heimst den Ruhm ein

Christoph Waltz als Kunstbetrüger Walter Keane. Foto: StudioCanal Deutschland

„It’s a Man’s World“, sang schon James Brown, das gilt auch für die Malerei. Frauen haben es schwer im Kunstbetrieb, gerade in den 50er Jahren, wo die Handlung von Tim Burtons „Big Eyes“ einsetzt. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines geistigen Diebstahls.

Eine Frau produziert Bilder, die sich als Druck und Postkarte millionenfach verkaufen, während ihr Mann sich als Urheber ausgibt und den Ruhm einheimst. So geschehen mit den Keanes, damals in Amerika. Margaret (Amy Adams) malt traurige Kinder mit großen Augen, wie wir sie heute aus Japans Mangas kennen. Mit Margarets Selbstbewusstsein ist es nicht weit her. Das Drehbuch macht aus ihr ein schüchternes Hascherl, das zu allem Ja und Amen sagt, was ihr Mann (Christoph Waltz) vorschlägt.

Erfolgloser Ehemann

Dieser Walter ist ein Filou, der in Picassos Ringelpulli den Künstler mimt und erfolglos mit Paris-Motiven hausieren geht. Walter verkauft eines von Margarets Bildern, wird für dessen Schöpfer gehalten und macht aus dem Missverständnis ein Geschäft. Margaret malt unter seinem Namen, Walter übernimmt Verkauf und Marketing. Was das angeht, hat er geniale Ideen.

Bald sind die „Big Eyes“ des Walter Keane ein Renner. Das Paar schwimmt im Geld, doch Margaret will nicht länger mit der Lüge leben. Das hätte ein tragisches Emanzipations-Drama werden können. Der Film entscheidet sich für die Posse, was seine Fallhöhe minimiert.

Komödien-Leichtgewicht

Als Komödien-Leichtgewicht ist er bequem zu konsumieren, schießt aber auch über das Ziel hinaus: Walter wird mehr und mehr zum Hanswurst. Das raubt der Figur die Schärfe, und Waltz, säuselnd, schleimend, kommt arg ins Chargieren. Amy Adams muss keinem Affen Zucker geben, spielt subtil und gut. Keines von Burtons Meisterstücken, doch unterhaltsam und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet.

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