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Silvia Eilhardt baut bundesweites Netzwerk aus

Gewaltprävention

Damit Verständnis für die Situation von Flüchtlingen aus den Krisenländern der Welt geschaffen werden kann, wünscht sich die Wittener Aussteigerberaterin Silvia Eilhardt (57) einen intensiven Dialog mit den Bürgern. „Das müsste schon in den Schulen einsetzen, damit jeder versteht, warum die Menschen geflüchtet sind.“

WITTEN

17.10.2014
Silvia Eilhardt baut bundesweites Netzwerk aus

Silvia Eilhardt hat die Aussteigerberatung und ein Netzwerk von Experten aufgebaut, das immer weiter wächst.

Bereits seit zwölf Jahren unterstützt die Mitarbeiterin des Jugendamtes gleichermaßen Aussteiger aus der rechtsradikalen Szene und Opfer von ritueller Gewalt. Bei ihren intensiven Gesprächen mit ehemaligen Neonazis hat sie bemerkt, dass es neben der organisierten Szene immer mehr schlecht informierte Bürger mir rechtslastigem und ausländerfeindlichen Gedanken gibt. „Sie wissen nicht, dass es sich bei den Flüchtlingen wenig bis gar nicht um Sozialschmarotzer handelt.“ Derzeit bringt Silvia Eilhardt drei Männer aus der rechten Szene auf ihrem Weg des Ausstiegs voran. Neben den Gesprächen, die das rechte Gedankengut massiv hinterfragen, leistet sie dabei auch praktische Lebenshilfe. Mal ist das ein stabilisierendes Krisengespräch mit der Lebensgefährtin, mal Hilfe am Arbeitsplatz.

Nachdem sich einer ihrer Schützlinge beim Chef geoutet hatte, nahm die Beraterin auf seinen Wunsch hin das Gespräch mit der Personalleiterin seines Betriebes auf: „Es war nötig, dort zu bestätigen, dass und warum er für unsere Gespräche immer mal frei braucht“, erklärt sie. Jetzt habe der Arbeitgeber natürlich mehr Verständnis. Viel von Silvia Eilhardts Arbeitszeit fließt auch in die Stabilisierung von Opfern ritueller Gewalt. Meist sind sie weiblich. „Im Moment sind drei bei mir in der intensiven Beratung. Alle drei haben dissoziierte Persönlichkeiten.“ Das heißt: Ihre Leiden durch körperliche und sexuelle Gewalt waren so massiv, dass sich ihre Persönlichkeit in mehrere unterschiedliche Charaktere gespalten hat. Oft seien sie schon als Kinder immer wieder von satanistischen Ritualen dem Missbrauch ausgesetzt gewesen.

Eilhardt erläutert: „Manchmal ist der Satanismus nur eine Maske für die Kinderpornografie. Es gibt aber auch Familien übergreifende Zusammenhänge, in denen der Kult der Teufelsanbetung betrieben wird.“ Auch wenn das letztlich wünschenswert wäre: Es ist nicht Aufgabe und Ziel der Beraterin, die Täter zu überführen. „Ich stabilisiere die Opfer. Meist trauen die Frauen sich gar nicht, Anzeigen bei der Polizei zu erstatten.“ Da der Nachweis solcher Taten also schwierig bleibt, streben Silvia Eilhardt und das von ihr gegründete Netzwerk „Rituelle Gewalt“ um so mehr danach, die Polizei für die Problematik zu sensibilisieren. Silvia Eilhardt selbst bietet zum Beispiel Schulungen für junge Polizeibeamte an der Hagener Fachhochschule an.

Sie ist „mehr als stolz“, dass es ihr gelungen ist, ihr bundesweites Netzwerk von Experten immer mehr auszubauen: „Es hat sich auf der Landkarte immer mehr ausgebreitet.“ Jetzt traut sich erstmals auch einer ihrer von Ritueller Gewalt betroffenen Schützlinge, mit seiner Geschichte nach vorn. „Es ist toll, was diese Frau schon geschafft hat. Wir sind nur noch in losem Kontakt.“ Sie baut gerade eine Internetseite auf, über die sie sich eine Aufklärung ihrer Leidensgeschichte erhofft.

Netzwerk tagt im Wittener Rathaus
Das Netzwerk „Rituelle Gewalt“ kommt am 5. November wieder im Wittener Rathaus zusammen.

Aus dem gesamten Bundesgebiet nehmen Fachleute verschiedener Branchen, etwa Rechtsanwälte, teil.

Thema ist dieses Mal unter anderem eine Podiumsdiskussion zu den Erfahrungen des Vereins Karo, der sich für Missbrauchsopfer einsetzt.

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