Sinnliche Kunst-Erfahrung aus Indien

Kunstmuseum Bochum

Kunst aus Indien – da denkt man an vielarmige Götterfiguren, an bunte Malerei, ja auch an Bollywood. Das alles findet sich auch in der Ausstellung „Sparsha – Berührung der Sinne“. Die zentrale Frage im Kunstmuseum Bochum ist allerdings, wie zeitgenössische Künstler sich auf die Tradition beziehen, dabei aber ganz eigene Wege gehen.

BOCHUM

, 31.10.2014, 15:52 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ganesa, der Sohn des Gottes Siva und zugleich der Patron der Künste, steht neben Fotografien, die eine Gesellschaft zeigen, in der Götterfiguren auch mal als eine Art Gartenzwerg vor dem Haus stehen. Direkt daneben hat Monali Meher mit roter Wolle ein Bett umwickelt. Dass Rot in Indien als heilige Farbe gilt, erfährt der Besucher aus einem Kurzführer. Den kann man gut gebrauchen. Denn vieles ist fremd in der zeitgenössischen Kunst Indiens. Ein Land, das von Ritualen geprägt ist, in dem es mehr als 300 Sprachen gibt. Von den 16 Künstlern, die zur Ausstellungseröffnung angereist sind, sprechen nur zwei von ihnen die gleiche Muttersprache. Mithu Sen bezieht sich auch darauf, wenn sie aus langem Haar eine Phantasieschrift an der Museumswand bildet. In der Alltagswelt und in der Gegenwartskunst spielt das Performative eine wichtige Rolle. Deshalb bilden Fotografie, Video, Installation und Performance einen Schwerpunkt der Ausstellung. Subodh Gupta beispielsweise, der Superstar der Kunstszene des Subkontinents, ist in einem Video zu sehen, in dem er sich unter der Dusche wäscht. Genaues Hinsehen zeigt, dass der Film rückwärts läuft, langsam legt sich Kuhdung auf den Körper. Auch er gehört zu den Künstlern, die archaisch anmutende Rituale befragen und ihnen ein zeitgenössisches Gewand geben. Eine Videoinstallation von Tejal Shah beschäftigt sich mit den Träumen der Hijras, die in Indien als geschlechtslos gelten. Daneben werden zweigeschlechtliche Götterwesen ausgestellt. Hier helfen die historischen Kunstobjekte, einen Zugang zu der fremden Kultur zu finden.

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