Skulptur-Projekte: Bis zu 90 Minuten Schlange stehen

Mega-Schau in Münster

Schlange stehen bei den Skuptur-Projekten 2017 in Münster: Der Besuch der spektakulären Freiluft-Schau kann sich derzeit zum Geduldsspiel entwickeln. Das gilt zwar nur für die wenigen Attraktionen, die in Innnenräumen zu sehen sind - aber die gehören leider zu den wichtigsten.

MÜNSTER

, 24.07.2017, 19:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Skulptur-Projekte: Bis zu 90 Minuten Schlange stehen

Vor der Eissporthalle in Münster hatte sich an einem Sonntag im Juli eine lange Schlange gebildet. Die Menschen warteten aber gut gelaunt.

Am vergangenen Sonntag (23. Juli) betrug die Wartezeit bei der unheimlichen Wohnung von Gregor Schneider ("N. Schmidt, Pferdegasse 19") mehr als 45 Minuten. Bei der Eissporthalle, die Pierre Huyghe in eine apokalyptische Landschaft verwandelt hat, dauerte es um die Mittagszeit sogar eineinhalb Stunden. "Leider dürfen sich in der Schneider-Installation nur zwei Personen gleichzeitig aufhalten, bei Huyghe sind es 30", erklärte Nora Staege, studentische Volontärin in der Pressestelle.

Im Stadthafen geht es zügig

Am Rathaus, wo dienstags bis sonntags ab 16 Uhr eine Performance von Alexandra Pirici zu sehen ist, heißt es etwa 20 Minuten anstehen. Oft gibt es auch Wartende am Wassersteg von Ayse Erkmen im Stadthafen. Staege: "Da geht es sehr zügig."

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Skulptur Projekte Münster

Wer nicht den Weg nach Kassel auf sich nehmen möchte um die dortige documenta zu besuchen, kann ab dem 10. Juni auch einen Abstecher nach Münster machen, um seine kulturellen Nerven zu kitzeln: Bis zum 1. Oktober läuft wieder die internationale Ausstellung Skulptur-Projekte, die nur alle 10 Jahre stattfindet. Für die Ausstellung kommen weltweit anerkannte Künstler in die Stadt.
24.07.2017
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Transparente und Hinweise prägen die ganze Stadt. © Foto: dpa
Der Info-Punkt am LWL-Landesmuseum ist eine gute erste Anlaufstelle. Hier gibt es den Stadtplan mit allen Werken für drei Euro.© Foto: Jäger
Der künstlerische Leiter der fünften Skulptur-Projekte ist Kasper König. Wegen einer Verletzung am Fuß musste er zur Pressekonferenz im Rollstuhl kommen. © Foto: dpa
Kasper König (Mitte) mit den beiden Kuratorinnen Britta Peters (r.) und Marianne Wagner.© Foto: dpa
Das Landesmuseum steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Die "fallenden Tiere" - hier ist es ein Hähnchen - des Künstlers Sany geistern überall durch die Stadt. © Foto: Jäger
Der Katalog zu den Skulptur-Projekten 2017 kostet 15 Euro und ist sehr reichhaltig. © Foto: dpa
Den Truck haben die Künstler Cosima von Bonin und Tom Burr vor das Museum gestellt. Er scheint die große Skulptur von Henry Moore abtransportieren zu wollen. © Foto: Jäger
Alles Kunst - auch diese Wasserwaage am Museum. © Foto: Jäger
Im Lichthof des Landesmuseums steht diese riesige Installation von Michael Dean. Nur zehn Besucher dürfen sie gleichzeitig erkunden. © Foto: Jäger
Sehr ungewöhnliches Absperrband flattert hier herum. © Foto: Jäger
Die Skulpturen bestehen aus Müll, sind aber sehr liebevoll und sorgfältig gestaltet. © Foto: Jäger
In einem Hof geht es hinunter zur Arbeit von Koki Tanaka. © Foto: Jäger
Hier sollte sich der Besucher etwas Zeit nehmen. Der Künstler hat Diskussionen einer internationalen Gruppe zum Thema "How to live together?" aufgenommen. © Foto: Jäger
Als hätte er schon immer hier gestanden: Der "Nuclear Temple" von Thomas Schütte an der Himmelreichallee. © Foto: Jäger
Das Werk fasziniert die Besucher. Hineinkriechen können aber nur kleine Kinder. © Foto: Jäger
Ein echter Hit der Schau ist die Installation "HellYeahWeFuckDie" von Hito Steyerl in dem interessanten Gebäude der LBS an der Himmelreichallee. © Foto: Jäger
Sie zeigt teilweise zum Schreien komische Videos von Robotern, die das Gehen lernen und immer wieder umfallen - oder von ihren Schöpfern um der Wissenschaft willen getreten werden. © Foto: Jäger
Ebenfalls unbedingt einen Besuch wert ist die Diskothek "The Elephant Lounge" am Roggenmarkt 15. Barbara Wagner und Benjamin de Burca widmen sich hier in einem Video dem Thema Schlager - irgendwo zwischen Kitsch, Klischees vom Reichtum und Glück und ehrlicher Sehnsucht. © Foto: Jäger
Vor dem Erbdrostenhof schlängen sich die seltsamen Arbeiten der Künstlerin Nairy Baghramian wie die abgehackten Arme eines Tintenfischs. © Foto: Jäger
Die Arbeit "Beliebte Stellen" geht hinter dem Erbdrostenhof weiter. Gehen Sie rechts herum, um den Hinterhof zu erreichen. © Foto: Jäger
"Nietzsches Felsen" heißt diese Arbeit von Justin Mathey. Solch ein Felsen existiert in der Schweiz wirklich. © Foto: Jäger
In Münster steht das Gebilde allerdings auf Krücken. © Foto: Jäger
Der Künstler Jeremy Deller sitzt in einem Kleingarten vor seiner kulturanthropologischen Arbeit "Speak to the Earth and it will tell you (2007-2017)".© Foto: dpa
Bitte Schuhe ausziehen: Die Installation "On Water" von Ayse Erkmen ist ein absoluter Hit der Skulptur-Projekte. © Foto: dpa
Auf der Installation im Hafenbecken in Münster von Kai zu Kai zu waten, ist ein großer Spaß für die Besucher.© Foto: dpa
Der Gang "übers Wasser" ist so beliebt, dass sich manchmal Schlangen bilden. © Foto: dpa
Die Installation "Sketch for a Fountain" von Nicole Eisenmann. Das Exponat zeigt eine mehrfigurige Brunnenanlage mit unbekleideten Figuren aus Bronze und Gips. Leider ist sie inzwischen beschädigt worden. © Foto: dpa
Wer genau hinschaut, schmunzelt: Eine Figur aus der Installation "Sketch for a Fountain" von Nicole Eisenmann hält eine Bierdose in der Hand. Der Figur ganz rechten wurde inzwischen der Kopf abgeschlagen.© Foto: dpa
Die Figuren bestehen aus Bronze und Gips.© Foto: dpa
Mit dem Fahrrad können die Besucher die Kunstwerke in der Stadt am bequemsten anfahren. Leihräder gibt es für 12 Euro am Westfälischen Landesmuseum am Domplatz.© Foto: dpa
Auch vor der abrissreifen Eissporthalle, die Pierre Huyghe umgestaltet hat, bilden sich am Wochenende lange Schlangen. © Foto: Jäger
"Achtung Bienen / Warning Bees" steht auf einem Warnschild am in der Installation «After ALife Ahead» von Pierre Huyghe. Das Exponat zeigt ein zeitbasiertes biologisch-technisches System.© Foto: dpa
Hier leben die Bienen. © Foto: dpa
Eine apokalyptische Landschaft ist entstanden. In einem Behälter (rechts im Bild) werden Krebszellen aufbewahrt.© Foto: dpa
Ab und zu öffnen sich die hydraulischen Klappen an der Decke. © Foto: dpa
Abends ist der Eindruck besonders unheimlich. In der Mitte steht ein Aquarium mit zwei Fischen. © Foto: Jäger
Die Installation "12V" von Aram Bartholl. Mit dem Exponat kann man sein Smartphone über einem Lagerfeuer aufladen. © Foto: dpa
Die Skulptur "Trickle down" von Andreas Siekmann sorgt ebenfalls für Aufsehen.© Foto: dpa
Oscar Tuazons skulpturale Konstruktionen aus Holz, Beton oder Stahl bewegen sich an der Schnittstelle zur Architektur. Das Betonobjekt dient als öffentliche Feuerstelle, Grill, Aufwärmplatz und Aussichtsturm.
© Foto: Kock

Bei schönem Wetter am Wochenende sei es derzeit "supervoll", sagte Staege, Besucherzahlen werden noch ermittelt. In der Woche an den Vormittagen ist es deutlich leerer. Ein (selbsterprobter) Hinweis für die wirklich faszinierende Huyghe-Halle: Am Sonntag um 19.30 Uhr gab es keine Schlange mehr. Und für die, die gar keine Lust haben, anzustehen: Der Rest der 35 Skulpturen ist bis 1. Oktober (täglich 10-20 Uhr) schon alleine den Besuch wert.