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Skurille Protestaktion mit wenig Inhalt

An Platanen gekettet

Vier Frauen, drei davon aus der Erotikbranche, an einen Baum gekettet – im erbitterten Kampf gegen das Musikzentrum. Ein skurriler Anblick, der zumindest jedoch Aufmerksamkeit verspricht. Die Damen von "Pussy Riot - Chamber Bochum" ließen sich von Volker Steude erklären, warum sie gegen den Bau des Musikzentrums sind- sachliche Argumente suchte man vergeblich, die Fernsehkameras waren trotzdem vor Ort.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 04.09.2012
Skurille Protestaktion mit wenig Inhalt

"Pussy Riots - Chamber Bochum" haben sich an die Platanen an der Marienkirche gekettet, zur Rettung der Bäume und für die Freiheit, wie sie sagen.

„Wir, die Aktivistinnen von Pussy Riot – Chamber Bochum, verstehen die Aktion als Bekenntnisse für den Kampf um Bürgerrechte und gegen Machtmissbrauch, Korruption und Filz“, erklärten die vier Frauen. Das klingt sehr bedeutungsschwanger. Es passt nicht so recht zum dünnen Outfit, das die künstliche Oberweite betont. Was macht das schon, das Fernsehen ist da.

Im Interview müssen sich die Frauen von den Organisatoren des Bürgerbegehrens gegen das Musikzentrum soufflieren lassen, um zu erklären, warum sie sich an die Platane vor der Marienkirche gekettet haben. Die Bäume sollen dem Musikzentrum weichen (RN berichteten). Doch anders als Volker Steude und seine Pussy Riot-Mädels kundtun, ist darüber bis jetzt noch kein Beschluss gefasst worden. Das wäre wohl zu sachlich.Ein weiteres Beispiel: „Die Politiker“ hätten sich selbst das Privileg eingeräumt, für 6,60 Euro ins Konzert zugehen und würden sich den Platz mit 300 Euro vom Bürger subventionieren lassen. Was für eine Parole. Richtig ist, dass Mitglieder des Kulturausschusses Vergünstigungen beim Eintritt erhalten. 88 Euro hat dieses Privileg insgesamt in der vergangenen Spielzeit gekostet (RN berichteten). Das ist vielleicht nicht ganz so plakativ. „Es geht hier um Bürgerrechte. Der Rat will das Musikzentrum gegen den Willen der Bürger bauen“, so Steude. Er betont: Nein, die Frauen seinen für den Auftritt auf gar keinen Fall bezahlt worden.

So sehr man über den letzten Ratsbeschluss zum Musikzentrum inhaltlich diskutieren kann – zu viel Polemik nützt keiner Debatte. „Free Pussy Riot“, rufen die Frauen noch, bevor die Polizei die Personalien aufnimmt. Der Baum an der Viktoriastraße ist kurz darauf wieder frei. Auf das Gelände der Marienkirche durften die „Aktivisten“ nicht. Es bestehe die Gefahr, dass etwas herunterfallen könnte, lässt die Stadt über die Polizei ausrichten. Wie gut, dass die Kirche als Trainingsort für Urbanatix genutzt wird und der Zaun um das Gelände an vielen Stellen offen ist. Auch bei Bochum-Total saßen die Künstler entspannt vor der Kirche. Ohne, dass was einstürzte. Die Argumentation der Stadt ist genauso lächerlich, wie die der Protest gegen das Musikzentrum mit leicht bekleideten Frauen.