So bereiten sich Kleingärtner auf den Sommer vor

Verein Glückauf Hansa

Beim Gartenverein Glückauf Hansa an der Varziner Straße herrscht in der März-Sonne geschäftiges Treiben. Unkraut jäten, Beete harken, Blumen pflanzen: Wer im Sommer einen prächtigen Garten genießen will, muss im Frühjahr vieles erledigen.

HUCKARDE

, 19.03.2017, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch: blauer Himmel, Sonnenstrahlen, Vögel zwitschern. Irgendwo brummt ein Rasenmäher. "Bisschen früh", sagt Hermann Müller. Er ist der Vorsitzende des Gartenvereins Glückauf Hansa. Seit 29 Jahren hegt und pflegt er seine Parzelle in der Anlage an der Varziner Straße.

Neben ihm steht Manfred Groß, zieht an seiner Zigarette und nickt. "Besser erst im April." Die beiden Rentner, beide 66 Jahre alt, sind Experten fürs Gärtnern. "Wenn man einen schönen, dichten Rasen haben möchte, sollte man den jetzt vertikutieren und später schneiden", sagt Manfred Groß. Ein Vertikutierer sieht aus wie ein Rasenmäher, befreit das Grün aber von Unkraut und Moos.

Garten bedeutet Entspannung

72 Gärten gehören zu Glückauf Hansa. In einem zieht sich Birgit Erdmann gerade die Handschuhe an. Für andere ein Zeichen der Arbeit, für sie bedeutet das: Entspannung. "Ich freue mich", sagt die 51-Jährige, "dass ich wieder richtig in der Erde rumwühlen kann." Sie ist die heimliche Zucchini-Königin des Gartenvereins – aber noch ist dafür nicht die Zeit, höchstens Frühkartoffeln kommen jetzt unter die Erde. Das weiß mittlerweile auch Petra Kanitz. Sie hat ihre Parzelle erst seit fünf Jahren. "Im ersten Jahr musste ich meinen Garten dreimal neu bepflanzen", sagt die 60-Jährige. Sie habe sich nicht an die Zeiten gehalten.

Eisheilige

Die hat ihr dann Hermann Müller erklärt: "Mit dem Pflanzen wartet man besser bis nach den Eisheiligen", sagt der Gartenvereinsvorsitzende. Die Namenstage von Sophie, Bonifatius und Co. bringen zwischen dem 11. und 15. Mai (Donnerstag bis Montag) häufig noch einmal Frost. Und der ist für frisch ausgesätes Gemüse, zarte Jungpflanzen und Blümchen tödlich. "Stiefmütterchen können Sie jetzt schon setzen, die können den Frost ab", sagt Birgit Erdmann.

Auch Frühlingsblumen wie Narzissen, Osterglocken, Tulpen und Hornveilchen überstehen kalte Tage. Doch auch abseits vom Blumen einpflanzen gibt es im Kleingarten im Frühjahr genug zu tun: zum Beispiel Laub fegen, Unkraut zupfen, die Beete auflockern und Töpfe mit Blumen- oder Pflanzerde vorbereiten. "Der Frühjahrsputz fängt in der Laube an", sagt Petra Kanitz. Mit dem Abschleifen und Lackieren der Möbel und Zäune warten aber viele gerne bis zum Sommer. Fürs Düngen ist gerade die richtige Zeit, viele Kleingärtner bedienen sich dafür an ihrem eigenen Komposthaufen.

Spitzen schneiden

Nur bis Ende Februar dürfen Hecken und Bäume geschnitten werden – zum Schutz der Vögel. Wie beim Frisör werden im Moment nur Spitzen geschnitten. Von seinen Erdbeeren entfernt Manfred Groß jetzt die Nebenpflanzen. "Eine Pflanze nimmt der anderen die Luft weg", sagt er. So trage die Erdbeere nur sehr kleine Früchte. Alles, was an einem langen Stängel herausrankt, wird abgeschnitten. Daraus lassen sich aber Ableger bilden: einfach die kleinen Pflänzchen in die Erde stecken, dann treiben sie Wurzeln aus. Für den Frost-Ernstfall hat Manfred Groß eine Lösung: Aus Ziegelsteinen, Tontopf und Grablicht baut er eine Mini-Heizung.

Er sei jeden Tag im Garten, doch um sich auf der Liege auszuruhen, dazu habe er keine Zeit. "Fertig sind sie nie im Garten", sagt auch Birgit Erdmann. Wer Hilfe brauche, bekomme sie bei den anderen Gärtnern. Die Gemeinschaft hält zusammen. Da gibt es nach der Sommerernte auch mal ein Gläschen Gelee oder Sauerkirschlikör zum Dank. Nicht nur deshalb kommt Petra Kanitz so gerne: "Die zwei Monate im Jahr, bei denen ich gar nichts machen kann – da vermisse ich meinen Garten richtig."