So bös' sind die Wiener: "Das weite Land" mit Burghart Klaußner in Bochum

BOCHUM 100 Jahre sind vergangen, seit Arthur Schnitzler in "Das weite Land" einen schonungslosen Blick auf die Wiener Gesellschaft warf. Viel hat sich seitdem nicht verändert, zeigt Dieter Giesing in seiner Inszenierung am Schauspielhaus Bochum.

von Von Ronny von Wangenheim

, 20.03.2009 / Lesedauer: 3 min
So bös' sind die Wiener: "Das weite Land" mit Burghart Klaußner in Bochum

Nur beim Tennisspiel werden die Verhältnisse klar festgelegt: Burghart Klaußner (Friedrich Hofreiter), Elisabeth Hart (Erna Wahl), Anna Staab (Stubenmädchen) und Catrin Striebeck (Genia Hofreiter) spielen in »Das weite Land«.

Es braucht nicht das karge Bühnenbild mit orangefarbener Verandawand und Plastik-Gartenliegen und die heutigen Kostüme, um darauf hinzu weisen: Oberflächlichkeit, Selbstbezogenheit, eine gewisse Brutalität bei der Verfolgung der eigenen Interessen, ist unserer Gesellschaft nicht fremd. Wenn Friedrich Hofreiter sich am Ende des zweieinhalbstündigen Abends mit "Wir sagen uns halt Adieu" von seiner Gattin Genia trennt, hat das die Beiläufigkeit einer SMS.

Im Rund der Bühne kreisen immer wieder die selben Menschen umeinander, wissen viel voneinander, ohne es auszusprechen. Affären, Betrug, Lüge - über alles wird mit einer Leichtigkeit hinweg gegangen. Nur beim Tennisspiel - ja da sollen die Verhältnisse endgültig festgestellt werden. Das ist oft komisch, ist vor allem aber zutiefst tragisch. Am Ende, als Hofreiter den jungen Geliebten seiner Frau im Duell erschossen hat, rennt er hin und her über die Bühne, rüttelt an Türen, vergeblich einen Aus-Weg aus seinem Leben suchend.Fabrikant mit Expansionsehrgeiz

Giesing hat "Das weite Land" zum Abschluss der gemeinsamen Bochumer Arbeit mit den Schauspielern Catrin Striebeck und Burghart Klaußner inszeniert. Klaußner spielt seinen Hofreiter als Fabrikanten mit Expansionsehrgeiz, der tänzelnd seine Jugend behauptet. Catrin Striebeck begegnet ihm als Genia nicht als Hausmütterchen, sondern auf Augenhöhe. In ihrem Machtkampf kann es keinen Sieger geben.

Atmosphärisch dicht

Doch auch die anderen Rollen sind bis hin zu den kleinen Auftritten wie dem des Martin Horn als Hotelportier glänzend besetzt. Marcus Boysen als melancholischer, ein wenig geheimnisvoller Dr. Mauer, Ulli Maier ganz wunderbar als Schauspielerin Anna Meinhold-Aigner oder Felix Vörtler als Dr. Aigner, der die Seele als ein weites Land beschreibt - sie alle machen den Abend zu einem atmosphärisch dichten und kurzweiligen Erlebnis. In die vielen Bravorufe für das 16-köpfige Ensemble mischte sich das Wissen, dass einige der Schauspieler wohl zum letzten Mal in Bochum zum Premierenapplaus auf die Bühne gekommen sind.

Termine: 21.3./ 4.4./ 19.4./ 28.4. Karten unter Tel. (0234) 33 33 55 55.

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