So gehen Hombrucher mit dem Leerstand in ihrem Zentrum um

Uneinigkeit

Gleich neun Ladenlokale stehen auf der Harkortstraße zwischen Tannenstraße und Deutsch-Luxemburger Straße leer. Auf einer Strecke von weniger als 250 Metern. Die Rede ist nicht von dunklen Seitenstraßen ohne Publikumsverkehr, sondern von der Haupteinkaufsmeile mitten in Hombruch. Die beste Lage im Stadtteil also. Ein Alarmsignal? Die Meinungen in Hombruch gehen weit auseinander.

HOMBRUCH

, 17.08.2017, 11:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Eine Dramatik sehe ich da nicht. Leerstand wird es immer geben“, sagt Bezirksbürgermeister Hans Semmler. Die untere Harkortstraße sei schon immer ein schwierigerer Fall gewesen, während der obere Teil der Straße bis rauf zum Kaufhaus Dustmann immer voll belegt sei. Tatsächlich konzentriert sich der Leerstand vor allem im Bereich rund um die Stadtbahnstation. Dort stehen im Umkreis von 50 Metern vier größere Ladenlokale leer.

"Im Stadtbezirksmarketing haben wir uns vor zwei Jahren die Frage gestellt, ob es beängstigend ist", sagt Achim Holtrup von der Wirtschaftsförderung Dortmund. "Nicht so schlimm", habe man damals geurteilt. Denn eine gewisse Fluktuation herrsche immer, so Holtrup. Bei Immobilien, die dagegen längere Zeit nicht vermietet sind, liege das Problem häufig bei Bausubstanz und Eigentümern.

In Verhältnis setzen

"Nicht dominant", findet Claudia Hiddemann-Holthoff, Geschäftsführerin des Hombruch-Forums, den Leerstand im Stadtteil. Dafür müsse man die freien Ladenlokale zu den vermieteten in Verhältnis setzen. Prägend für das Stadtbild sei es auf keinen Fall.

Doch wo fängt ein ortsprägendes Bild an? An mehreren Stellen im Ortskern stehen zwei benachbarte Geschäfte leer, etwa an der Deutsch-Luxemburger Straße oder an der Tannenstraße, den ehemaligen Filialen von Deutscher Bank und "Schuh Meyer". Das Schuhgeschäft in der Küsterpassage hatte vor fast fünf Jahren seine Pforten geschlossen. Ein neuer Mieter fand sich seitdem nicht. Hier sei vor allem der fehlende Zugang von der Harkortstraße das Problem, sagt Holtrup.

Missverständnisse

Ingrid Timmermann-Abendroth vom benachbarten Geschenkartikel-Laden hat die Schaufensterscheibe des verlassenen Geschäfts angemietet, um ihre Produkte zu präsentieren. "Damit der Leerstand nicht so auffällt", sagt sie. Dass auf der Scheibe groß "zu vermieten" steht, habe zu manchem Missverständnis geführt. Deshalb schrieb sie zur Sicherheit "Wir schließen nicht" daneben.

Weniger Möglichkeiten, solche Missverständnisse aufzuklären hat ein Hombrucher Möbelhändler, der neben zwei leer stehenden Läden beheimatet ist. "Wir sehen das sehr kritisch, denn die Leute biegen gleich ab, wenn sie die leeren Schaufenster am Anfang der Straße sehen", klagt die Mitinhaberin, die nicht genannt werden möchte. "Da können wir vor unserer Haustür machen, was wir wollen."

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Für eine temporäre Belebung auf der Harkortstraße sorgt derzeit Martina Wernicke, die mit befreundeten Künstlern eine Kunstausstellung in einem ehemaligen Laden ausrichtet. Zum Leerstand hat sie eine klare Meinung: "Das ist ein großes Problem hier." Aber in Hombruch werde das Thema ignoriert. "Hier streut man lieber Puderzucker über den verbrannten Kuchen."

Hohe Mieten

Vermieter Ulrich Drecker stellt ihr die Fläche kostenlos zur Verfügung. Die ist seit rund eineinhalb Jahren ungenutzt, als der letzte Mieter in Konkurs ging. "Angeblich gibt es hier kein Problem, aber ich sehe das anders", sagt Drecker. Einen langfristigen Mieter zu finden, fällt ihm nicht leicht. Mehrere Interessenten habe er abgewiesen, weil er vom Geschäftsmodell nicht überzeugt war. "Das bringt nichts, wenn man weiß, dass die in einem halben Jahr pleite sind." Mangelnde Parkmöglichkeiten und die Alterung im Stadtbezirk hätten das Stadtteilzentrum für potente Mieter unattraktiv gemacht, findet Drecker.

Aber vielleicht spielt ja noch ein anderer Faktor eine Rolle: Laut dem Gewerbemietspiegel der Industrie- und Handelskammer Dortmund liegt die Miete für Gewerbeobjekte in Hombruch zwischen 8 und 15 Euro – und damit höher als in jedem anderen Dortmunder Stadtteilzentrum.

 

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