So gelingen natürliche Seifen für Haut und Haare in der heimischen Küche

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In ihrer Manufaktur in NRW siedet Jutta Westphal Seifen. Die Expertin erklärt, welche Seife sich für welchen Hauttyp eignet sind und worauf Einsteiger beim Thema Haarseife achten sollten.

Rommerskirchen

08.03.2021, 21:19 Uhr / Lesedauer: 5 min
Seife kann nicht nur gekauft, sondern auch selbst gesiedet werden.

Seife kann nicht nur gekauft, sondern auch selbst gesiedet werden. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Naturseife war für Jutta Westphal zunächst nur Hobby. Seit fast fünf Jahren beschäftigt sie sich mit dem Sieden. Mittlerweile ist das Herstellen von natürlichen und nachhaltigen Seifen ihr Job. In ihrer Manufaktur im nordrhein-westfälischen Rommerskirchen produziert und verkauft sie Seifen, ebenso in ihrem Onlineshop.

Ihr Wissen teilt sie in „Naturseifen selber machen: Palmölfrei, plastikfrei, sorgenfrei!“. Im Interview spricht die Seifenexpertin darüber, was eine nachhaltige Seife ausmacht und welche Zutaten für welchen Hauttyp geeignet sind. Außerdem teilt sie zwei Seifenrezepte aus ihrem Buch.

Frau Westphal, der Slogan Ihres Buches lautet „palmölfrei, plastikfrei, sorgenfrei“. Wieso sollte man auf Palmöl verzichten?

Man kann auch aus Palmöl wunderschöne Seifen machen, sollte dabei aber auf Bioqualität und nachhaltige Produktion achten. Der Rohstoff ist sehr umstritten, weil für Ölpalmenplantagen auch Regenwälder abgeholzt werden. In meiner Manufaktur produziere ich palmölfrei, weil die Kunden zum Glück immer mehr Wert darauflegen.

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Genau, bei einem Vierpersonenhaushalt können Sie sich das Ausmaß ja in etwa vorstellen. Wie viel Plastik da im Bad rumsteht! So ein Duschgel kostet vielleicht 1,89 Euro. Davon müssen unter anderem der Supermarkt, die Spedition, der Hersteller und das Marketing bezahlt werden. Also habe ich mich gefragt: Was ist denn da drin?

Und was ist da so drin?

Mikroplastik, Paraffine, künstlich hergestellte Tenside, Konservierungsstoffe und Füllstoffe, die dem Produkt mehr Volumen geben. Hautpflegend sind solche Industrieprodukte nicht. Sie säubern die Haut zwar, aber meistens muss man sich danach noch eincremen. Das ist bei gescheit gesiedeter Seife nicht der Fall.

Welche Seifenzutaten empfehlen Sie für welchen Hauttyp?

Ich habe eine Seife auf Basis von Olivenöl und eine auf Basis von Mandelöl. Beide sind mild und für alle Hauttypen gut geeignet. Bei unreiner Gesichtshaut sollte man darauf achten, Öle zu nutzen, die die Poren nicht verstopfen. Für jemanden mit trockener Gesichtshaut eignet sich zum Beispiel Aprikosenkernöl. Das ist besonders reichhaltig.

Bei Seife reguliert man die Pflegestufe zusätzlich über die Überfettung. Seife wird produziert, indem man verschiedene Öle und Fette vermischt und sie mit einer Lauge zusammen rührt. So entsteht der Verseifungsprozess, eine chemische Reaktion. Je höher die Seife überfettet ist, desto mehr pflegt sie die Haut, ist dann aber auch weniger ergiebig.

Und wie ist das bei den Haaren? Was ist der Unterschied zwischen festem Shampoo und Haarseife?

In einer Seife entsteht die Waschkraft ganz natürlich durch die Verseifung der Öle durch die Lauge. Bei einem Shampoo muss man die Tenside, die reinigen und Schaum bilden, als Pulver hinzufügen. Festes Shampoo wirkt ähnlich wie flüssiges. Bei Haarseife ist das theoretisch genauso. Aber die Haare brauchen eine Zeit lang, um sich an die Seife zu gewöhnen.

Für wen ist das Seifenherstellen die passende Freizeitaktivität?

Man muss sich gründlich einlesen, aber das benötigte Equipment ist kostengünstig zu bekommen oder kann aus dem eigenen Haushalt zweckentfremdet werden. Die ganze Familie kann mithelfen, oder man trifft sich mit einer Freundin zum Seifeherstellen. Als Formen nutze ich oft ausgespülte Joghurtbecher. Achten Sie beim nächsten Einkauf in der Joghurtabteilung mal darauf, was es dort für schöne Formen gibt!

Seifenrezept 1: Der Klassiker mit Olive

  • Das wird für circa sieben Seifenstücke à 100 g gebraucht: 135 g destilliertes Wasser, 64,84 g NaOH, 150 g Kokosöl, nativ, 350 g Olivenöl; außerdem: Silikonblockform, 21 cm x 6 cm x 10 cm

  • Den Arbeitsplatz vorbereiten und alle Zutaten und Utensilien bereitstellen. Aus dem destillierten Wasser und dem Natriumhydroxid (NaOH) eine Lauge herstellen und auf 30 bis 35 Grad abkühlen lassen.

  • Bereiten Sie während des Abkühlens die Fette vor: Das Kokosöl im Wasserbad schmelzen, den Behälter aus dem Wasserbad nehmen und das Olivenöl zugeben. Wenn die Öle die gleiche Temperatur wie die Lauge haben, die Lauge durch das Sieb hinzugeben. Zunächst alles mit dem Teigschaber gründlich verrühren, dann abwechselnd mit dem Stabmixer und dem Teigschaber arbeiten, bis eine homogene, dickflüssige Masse entstanden ist.

  • Gießen Sie den fertigen Seifenleim in die Gießform. Um ungleichmäßigen Zacken auf dem Seifenstück zu erhalten, lässt man den Seifenleim in der Form erst ein paar Minuten weiter andicken und bringt die Oberfläche dann mit einem Löffel „in Unordnung“.

  • Die Gießform mit Frischhaltefolie abdecken und die Seife 48 Stunden aushärten lassen. Bei dieser Olivenölseife kann es ein bisschen länger dauern, bis sie bereit zum Ausformen ist. Wer nicht warten will, friert die Gießform über Nacht ein und formt sie am nächsten Tag gefroren aus. Vor dem Schneiden muss man sie dann jedoch auftauen lassen.

Tipp: Bei dieser Seife hat Jutta Westphal nach dem Siedevorgang keine Frischhaltefolie über die Form gelegt, um die Entstehung von Sodaasche zu provozieren. Die weiße Schicht bildet sich, wenn der Seifenleim während der Aushärtung mit Sauerstoff in Verbindung kommt.

Sodaasche ist harmlos und kann auch bei ordnungsgemäßer Abdeckung der Seife auftreten. Wenn sie unerwünscht ist und entfernt werden soll, kann man die Seife mit hochprozentigem Alkohol besprühen oder sie einfach kurz in kochendes Wasser tunken.

Ätzendes Natriumhydroxid: Worauf man beim Seifensieden unbedingt achten muss

  • Beim Seifensieden arbeitet man meist mit Natriumhydroxid (NaOH). Dieser Stoff ist stark ätzend, deshalb ist es wichtig, den Körper entsprechend zu schützen. Jutta Westphal empfiehlt, Schutzbrille, Gummihandschuhe, Arbeitskleidung mit langen Ärmeln, Mundschutz und geschlossene Schuhe zu tragen.

  • Utensilien für das Seifensieden findet man meist im eigenen Haushalt. Wichtig: Für das Sieden verwendetes Geschirr sollte man nicht mehr zum Kochen benutzen. Laut Westphal zählen zur Grundausstattung ein Topf, ein Messbecher, mehrere Kunststoffbecher, mehrere Löffel, ein Teigschaber, ein Stabmixer, zwei Thermometer, eine Feinwaage, ein scharfes Küchenmesser, ein Sieb aus Plastik, Zeitungspapier sowie Frischhaltefolie.

  • Vor dem Start des Siedens den Arbeitsplatz großflächig mit Zeitungspapier abdecken.

  • Die Lauge wegen des NaOH am besten draußen oder vor einem offenen Fenster anrühren. „Lassen Sie langsam die benötigte Menge Natriumhydroxid in das Wasser rieseln – niemals umgekehrt! – und rühren Sie dabei mit einem Löffel vorsichtig um“, rät Westphal.

  • Sobald sich das Natriumhydroxid aufzulösen beginnt, werde Hydratationsenergie frei. Es entstehe eine Lauge, die in wenigen Sekunden etwa90 Grad warm werde und anfange zu dampfen. Die Lauge vor dem Weiterverarbeiten abkühlen lassen – außer Reichweite von Kindern und Haustieren!

  • Den Seifenleim fertigstellen: Mit einem Thermometer überprüfen, ob die Lauge und die Gesamtfettmenge die gleiche Temperatur haben. Diese sollte 30 bis 35 Grad betragen. Wenn beide Flüssigkeiten die gleiche Temperatur haben, die Lauge langsam durch das Sieb in die Gesamtfettmenge gießen.
  • „Das Sieb hindert Verunreinigungen oder unaufgelöste Natriumhydroxidkristalle daran, in die Fette zu gelangen“, erklärt Westphal. Alles mit dem Teigschaber solange verrühren, bis sich eine homogene Masse bildet. Das ist der Seifenleim.
  • Zum Andicken des Seifenleims ihn vorsichtig mit dem Stabmixer immer wieder abwechselnd pürieren und rühren. „Auf diese Weise wird die Gesamtfettmenge verseift“, schreibt Westphal. Danach nach Belieben Farb- oder Duftzusätze hinzugeben.
  • Der Seifenleim ist fertig, wenn die Gesamtfettmenge gleichmäßig in die Lauge vermischt ist. „Man erkennt es daran, dass er die Konsistenz von einer Kartoffelcremesuppe annimmt, die Farbe einheitlich ist und keine Ölschlieren mehr zu erkennen sind.“

Seifenrezept 2: Avocadotraum für Haut und Haar

Das wird für circa sechs Seifenstücke à 90 g gebraucht: 120 g Apfelessig, 56,22 g NaOH, 120 g Kokosöl, nativ, 200 g Avocadoöl, grün, 80 g Rizinusöl; außerdem: Silikonform Girotondo mit sechs Mulden alternativ Silikonform, quadratisch, 500 ml

  • Den Arbeitsplatz vorbereiten und alle Zutaten und Utensilien bereitstellen. Aus dem Apfelessig und dem Natriumhydroxid (NaOH) eine Lauge herstellen und auf 30 bis 35 Grad abkühlen lassen.
  • Die Lauge bekommt durch den Apfelessig eine orange-bräunliche, trübe Färbung und einen stechenden Geruch, der im Laufe der Reifezeit aber verfliegt. Bereiten Sie während des Abkühlens die Fette vor: Das Kokosöl im Wasserbad schmelzen, den Behälter aus dem Wasserbad nehmen und das grüne Avocado- sowie das Rizinusöl zugeben. Wenn die Öle die gleiche Temperatur wie die Lauge haben, die Lauge durch das Sieb hinzugeben. Zunächst alles mit dem Teigschaber gründlich verrühren, dann kurz mit dem Stabmixer pürieren.
  • Achtung! Das grüne, reichhaltige Avocadoöl und auch der Apfelessig neigen dazu, schnell anzudicken. Daher muss jetzt zügig gearbeitet werden. Verteilen Sie den fertigen Seifenleim auf die Formen beziehungsweise gießen Sie ihn in die große Form. Ist er zu dick geworden zum Gießen, nehmen Sie den Spachtel zu Hilfe. Decken Sie die Formen mit Frischhaltefolie ab. Nach 24 Stunden kann die Seife ausgeformt werden.

Tipp: Essig ist besonders in Haarseife eine beliebte Laugenflüssigkeit, da er nicht nur die Schaumstabilität verbessert, sondern dem Haar auch einen schönen Glanz verleiht. Die im Essig enthaltene Essigsäure neutralisiert allerdings einen Teil des Natriumhydroxid (NaOH). Diese Menge NaOH muss zusätzlich in die Lauge gegeben werden, damit die erwünschte Überfettung trotzdem erreicht wird.

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Beim Erstellen eines Seifenrezepts mit einem Seifenrechner kann die enthaltene Säure angegeben werden, und die benötigte Menge NaOH wird entsprechend erhöht. Wer selbst rechnet, multipliziert die Säuremenge mit 0,666 (in diesem Rezept: 120 g Apfelessig mit 5 Prozent Säure = 6 g Essigsäure. 6 g x 0,666 = 4 g NaOH, die zusätzlich in die Lauge gegeben werden müssen).

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