So gut malt Hollywood-Ikone Armin Mueller-Stahl

Osthaus-Museum Hagen

Jetzt malt er auch noch? Bei vielen Prominenten beschleicht einen leise der Verdacht, hier wolle jemand seinen Ruhm versilbern. Wer allerdings die Ausstellung "Menschenbilder" des Hollywood-Schauspielers Armin Mueller-Stahl im Osthaus-Museum Hagen betritt, der weiß sofort: Hier malt und zeichnet eine echte Doppelbegabung - und das schon seit 1951.

HAGEN

, 22.06.2017 / Lesedauer: 3 min

Am Samstag wird Armin Mueller-Stahl höchstpersönlich in Hagen erwartet. "Es ist seine bisher größte Ausstellung in Westdeutschland", sagt Museumsdirektor Tayfun Belgin, der den Künstler im Atelier in der Nähe von Lübeck besucht hat.

In der einstigen DDR habe man mit der Malerei nichts verdienen können, hat ihm Mueller-Stahl (86) dort erzählt. Deshalb wandte sich "AMS" der Schauspielerei zu - mit überragendem Erfolg.

In den USA startete Mueller-Stahl bis zu den Oscars durch

Schon in der DDR war er ein Publikumsliebling, stand oft mit dem Freund Manfred Krug vor der Kamera. 1976 unterschrieb auch Mueller-Stahl den Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und verließ den Osten.

In den USA startete er durch - als Pianisten-Vater in "Shine", was ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte, oder als Taxifahrer im Kultfilm "Night on Earth" von Jim Jarmusch.

In den Pausen übermalte er Drehbücher

Unvergesslich auch seine Darstellung Thomas Manns im deutschen Dreiteiler "Die Manns" von Heinrich Breloer.

Dass Mueller-Stahl in den Drehpausen langweilig zumute war, davon profitieren jetzt Kunstfreunde. Toll, wie er Drehbücher mit frechen Studien versehen oder übermalt hat.

"Allegro Expressivo" entfacht einen harmonischen Farbenrausch

Wie sehr das Zeichnen ihm liegt, erkennt man in den treffsicheren Porträts - von Angelina Jolie bis Leonard Bernstein, den Mueller-Stahl gekannt und als "Lenni" verewigt hat.

In riesigen Ölbildern wie "Allegro Expressivo" entfacht er einen (immer harmonischen) Farbenrausch, setzt aber auch hier Akzente mit kerniger Schrift oder dunklen Linien.

Porträt von Nelson Mandela im Kerker

Einfach schön! Von großem Können und großem Mitgefühl zeugt ein Porträt von Nelson Mandela, in dem das Licht nur auf einer Hand liegt, die aus dem Kerker herausgreift.

Überhaupt verblüfft es, wie stark Mueller-Stahl politische Situationen umsetzt, ohne dass es aufgesetzt oder peinlich wirkt. Bewegend das Gemälde des alten Helmut Schmidt ("Trauer um Loki").

"Je lauter der Krieg brüllt, desto leiser muß der Clown sein"

Über die SPD in der Flüchtlingskrise hat er ein Gedicht geschrieben ("Unser täglich Rot gib uns heute"). Die Mappe mit Lithografien zu "Night on Earth" (2004) ist schlichtweg ein Gesamtkunstwerk, das die "Nacht auf dem Globus" bestürzend beschreibt.

Es heißt darin: "Je lauter der Krieg brüllt, desto leiser muß der Clown sein, damit man ihn hört."

  : Armin Mueller-Stahl, Hochstraße 73, 25.6.2017-3.9.2017, Di-So 11-18 Uhr., Katalog 20 Euro. Die Eröffnung in Anwesenheit des Künstlers am Samstag ist ausverkauft.