So kreativ ist es am Bottroper Quadrat

Kunst im Grünen

Rund um das Bottroper Museumszentrum Quadrat erstreckt sich der Stadtgarten: 22 Hektar Grün. Ein Teil davon ist dank Gründungsdirektor Ulrich Schumacher mit Skulpturen bestückt. Sie haben dort Raum, um zu wirken. Und sie versetzen Menschen in Bewegung.

BOTTROP

, 08.09.2015, 12:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ulrich Schumacher, Sohn des Malers Emil Schumacher, war es nach der Quadrat-Gründung 1976 wichtig, dass der Park drum herum gestaltet wird, sagt er. "Dass Natur, Kunst und Architektur zur Einheit werden“.

Indem der einstige Museumsdirektor von den Ausstellungen meist etwas zurückbehielt, gab er dem „schalen Gefühl“ keinen Raum, das immer dann aufkomme, wenn nach Ausstellungsende alles zurück an den Leihgeber gehe. Die Skulpturensammlung rund ums Quadrat umfasst aktuell 14 Skulpturen: Ankäufe, Leihgaben und Geschenke. Sie alle sind konstruktiv-konstruktivistische Werke, also streng gegenstandslos.

Dominiert von Glas

Die Architektur des Quadrats, eine Hommage an den Bottroper Künstler und Bauhauslehrer Josef Albers (1888-1976), wird von hohen Glasfenstern dominiert: Das Haus öffnet sich zum Park hin und macht ihn zu einem Teil der Ausstellung. „Die Skulpturen sind ein Ordnungsfaktor“, sagt Schumacher. „Wo sie stehen, muss die Natur gebändigt werden.“

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Kunst im Grünen: Skulpturenpark am Quadrat

Rund um das Bottroper Museumszentrum Quadrat ist viel Grün. Und viel Kunst. Im Skulpturenpark finden sich Werke mit klaren Strukturen und wenigen Farben. Einige ehren den Bottroper Künstler Josef Albers (1888-1976), der mit der Wirkung von Farben, Formen, Linien und Flächen experimentiert hat.
21.07.2015
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Ernst Hermanns Arbeit: "Zwei gegeneinander verschobene Halbkugeln".© Foto: Sandra Heick
Im Grünen haben die Skulpturen Raum, zu wirken.© Foto: Sandra Heick
Der Entwurf dieser Skulptur von Walter Dexel stammt von 1926, die Ausführung erfolgte erst 1973.© Foto: Sandra Heick
Hans Steinbrenners Werk "Figur" ist aus Eichenholz gefertigt.© Foto: Sandra Heick
Marcello Morandinis "Hommage an Bottrop" erinnert an ein Bullauge.© Foto: Sandra Heick
Rund um das Quadrat sind 14 Kunstwerke zu finden.© Foto: Sandra Heick
Max Bills "Einheit aus drei gleichen Volumen"© Foto: Sandra Heick
Walter Dexels "Farbige Lichtsäule 2, Weiß mit Blau - Rot + Gelb" ist das farbenfrohste Werk im Park.© Foto: Sandra Heick
Die Elemente der "Figur" wurden aus einem Stamm gearbeitet.© Foto: Sandra Heick
Hans Steinbrenners "Quader-Skulptur" ist aus Muschelkalkstein gefertigt.© Foto: Sandra Heick
Walter Leblancs "Archetype" entstand 1980.© Foto: Sandra Heick
Schlagworte Bottrop, Josef Albers

Die Grünflächen rundherum werden gemäht, nah an den Skulpturen wird mit Rasenkantenscheren gearbeitet. Etwa alle zwei Monate werden die Skulpturen gereinigt. Das alles lässt sich aus dem Inneren des Quadrats heraus beobachten.

Als Sturm Ela 2014 gewütet hat, erinnert sich Museumspädagogin Sarah Kaleve, hat man die gebuchten Führungen durch den Skulpturenpark ins Innere des Quadrats verlegt, hat gemeinsam durch die Fenster geblickt.

Skulpturen brauchen Raum

Die Skulpturen, sagt Kaleve, haben im Park den Raum, den sie brauchen. Der Besucher kann um sie herumgehen, seinen Abstand zur Kunst verringern oder erweitern, sie in Bewegung erschließen. Bewegung und Stillstand, das ist eins der Themen der konstruktiv-konstruktivistischen Kunst – neben Raum und Zeit, Form und Volumen.

Kunst im Grünen statt im Museum aufzustellen habe aber auch seine Nachteile, sagt Kaleve. „Wenn alles blüht und die Schmetterlinge zwischen den Werken umherflattern, fällt es dem Besucher oft schwer, sich auf die Kunst zu konzentrieren.“ Das sei im Museum anders. Da gehe mit dem Betrachten von Kunst eine größere Ehrfurcht einher.

Einige der Skulpturen ehren Josef Albers - so, wie es die auch die Architektur des Museums Quadrat macht. Da ist das Werk „Bottrop – Piece“, das Donald Judd eigens für das Museum geschaffen hat: ein 1,20 Meter hoher, von Rost überzogener Zylindermantel, auf einer Wiese stehend, oben offen, innen mit einer schräg liegenden Platte versehen. Vom Josef-Albers-Museum aus hat man einen guten Einblick, vom Rasen aus nicht. Der Betrachter muss nah an die Skulptur herantreten, um über den Rand zu schauen.

Das typische Quadrat

Und gleich am Eingang des Quadrats, da steht die „Hommage an Josef Albers“ aus afrikanischem Granit, geschaffen von Erwin Heerich. Hier erwächst aus einem Zylinder das für Albers typische Quadrat. Man muss um die Arbeit herumgehen, um die Veränderung nachvollziehen zu können. Auch hier wird der Betrachter in Bewegung versetzt.

Eine Skulptur sticht besonders hervor, weil sie auf einem Sockel steht und Farbe zeigt: Walter Dexels „Lichtsäule II, Weiß mit Blau – Rot + Gelb“. Sie erinnert an die Farbflächenbilder Piet Mondirans. Der Entwurf stammt von 1926, ausgeführt hat ihn Dexel erst 1973.

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