So reagiert NRW auf die Gewalttaten in Bayern

Mehr Sicherheitsmaßnahmen

Nach den Gewalttaten von Nizza, München und Ansbach reagieren Jahrmärkte und Einkaufszentren in NRW: Mehr Polizisten und Ordner sollen für Sicherheit sorgen. Die Gewerkschaft der Polizei hält diesen Schritt für dringend erforderlich.

Düsseldorf

25.07.2016, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der größte deutsche Shoppingcenter-Betreiber ECE hat seine Sicherheitsvorkehrungen an allen 20 Standorten in NRW verstärkt. ECE betreibt Einkaufszentren unter anderem in Essen, Dortmund, Köln, Aachen und Düsseldorf. Bundesweit managt das Hamburger Unternehmen rund 100 Standorte, darunter auch das Münchener Olympia-Einkaufszentrum, in dem sich am Freitag der Amoklauf ' tag='ereignet hatte. Alle Standorte seien von der Maßnahme betroffen, berichtete ein Sprecher am Montag in Hamburg.

Zusätzliche Wachleute in Einkaufszentren

Sichtbar für die Kunden seien vor allem zusätzliche Wachleute in den Centern, teilte ECE auf Anfrage mit. In den Shopping-Centern seien derzeit jedoch keine bewaffneten Sicherheitsleute im Einsatz.  Die Sicherheitsvorkehrungen seien damit unmittelbar nach dem Amoklauf noch einmal verschärft worden. 

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Die Verantwortlichen in NRW denken darüber nach, wie sie große Volksfeste und Menschenansammlungen besser schützen können. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Polizeipräsenz an solchen „weichen Zielen“. Einige Jahrmärkte wie die Libori-Kirmes in Paderborn haben ihre Sicherheitsvorkehrungen als Reaktion auf den Amoklauf in München und die Bombenexplosion in Ansbach noch einmal verschärft. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) versicherte, die Behörden seien so gut wie möglich auf Amokläufe und Terroranschläge vorbereitet.

GdP will verstärkte sichtbare Präsenz

Der stellvertretende GdP-Landeschef Michael Mertens findet es richtig, in Einkaufszentren, bei Volksfesten und auch an Schulen mehr Polizei zu postieren. „Eine verstärkte sichtbare Präsenz würde maßgeblich dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken, bei einer Lagebewältigung sehr zeitnah reagieren zu können und Täter abzuschrecken“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Innenminister Jäger sieht die Beamten gut für solche Einsätze vorbereitet. Im Moment würden unter anderem Wachpolizisten mit zusätzlichen Maschinenpistolen und Schutzwesten ausgestattet. „Das zeigt: Wir sind konzeptionell und auch materiell darauf vorbereitet, gegen solche Täter vorgehen zu können“, sagte er. Von schärferen Gesetzen als Reaktion auf die Angriffe in Bayern hält er aber nichts. „Wir müssen immer darauf achten, dass wir nicht irgendwann anfangen, unsere Freiheit so einzuschränken zugunsten der Sicherheit, dass diese Freiheit letztendlich dann irgendwann verloren geht.“

Einsatzkräfte bei Juicy Beats "sensibilisiert"

Die großen Jahrmärkte im Land setzen bereits auf mehr Polizisten und Ordner. Die Verunsicherung bei vielen Besuchern der Libori-Kirmes in Paderborn sei deutlich zu spüren, sagte Stadtsprecher Jens Reinhardt. Die Polizei versperrt Zugänge mit großen Fahrzeugen. Zudem forderte sie Schausteller und Besucher auf, Verdächtiges zu melden. Bei der Cranger Kirmes, die am 5. August in Herne beginnt, werden ebenfalls mehr Ordnungskräfte eingesetzt. Das Sicherheitskonzept stehe ständig auf dem Prüfstand, erklärte ein Sprecher. Auch beim Juicy Beats Festival am Freitag in Dortmund seien die Einsatzkräfte nach den Geschehnissen am Wochenende besonders sensibilisiert und aufmerksam.  Auch die am Wochenende zu Ende gegangene Rheinkirmes hatte mit der Angst ihrer Besucher zu kämpfen. Man sei „von unbeschwerter Feierlaune ein Stück weit entfernt“ gewesen, sagte Kirmesorganisator Thomas König am Sonntag.

 

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von dpa