So schlimm wütet Sturm Irma in der Karibik

Hurrikan

Der Tropensturm der höchsten Kategorie verursacht auf den karibischen Inseln schwere Verwüstungen und macht Tausende obdachlos. Während auf den Kleinen Antillen die Aufräumarbeiten anlaufen, bereitet sich Florida auf das Schlimmste vor. Bilder und Videos aus der Region zeigen die verheerenden Folgen des Hurrikans.

SAN JUAN

08.09.2017, 06:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hurrikan „Irma“ hat eine Schneise der Zerstörung durch die Karibik geschlagen und mehrere Menschen in den Tod gerissen. In der Karibik hat der Hurrikan Berichten zufolge bis zu 13 Todesopfer gefordert. Der britischen Zeitung „Guardian“ zufolge starben vier Menschen in dem französischen Überseegebiet Saint-Martin, vier auf den Amerikanischen Jungferninseln, drei Puerto Rico (beides US-Außengebiete) und je ein Mensch auf Anguilla (Großbritannien) und Barbuda. Die „Washington Post“ berichtete von bislang insgesamt elf Toten.

Es wird erwartet, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da hinter „Irma“ bereits der nächste Hurrikan „José“ heranzieht. 

As #Irma moves toward the US, we look back at some of the most devastating storms to form over the Atlantic https://t.co/4jHUqD4aQUpic.twitter.com/o3gHi8aywy

— CNN (@CNN)

 

37 Millionen Menschen betroffen

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan passierte in der Nacht auf Freitag (Ortszeit) Haiti und sollte dann weiter Richtung Kuba, Bahamas und Florida ziehen. 

Die orangefarbenen Symbole der Karte zeigen den wahrscheinlichen Verlauf des Wirbelsturms, die Symbole in lila zeigen, wo Irma bereits auf Land getroffen ist. (Stand: Freitagmittag). Quelle: http://www.nhc.noaa.gov )

„Irma“ ist einer der stärksten jemals in der Region registrierten Tropenstürme mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde. Besonders schwer getroffen wurden die Karibikinseln Barbuda, Saint-Martin und Anguilla. „Mindestens 95 Prozent der Gebäude wurden beschädigt. 60 Prozent der Bevölkerung sind obdachlos“, sagte Premierminister Gaston Browne zur Lage auf Barbuda. Die Insel sei praktisch unbewohnbar geworden.

Angesichts des heraufziehenden nächsten Hurrikans „José“ rief die Regierung die Bewohner auf, Barbuda zu verlassen und auf der Nachbarinsel Antigua Schutz zu suchen. Sollte der neue Wirbelsturm der Kategorie drei weiter Kurs auf Barbuda nehmen, werde die Insel zwangsgeräumt.

Hurrikan "Irma" hat auf der niederländischen Antilleninsel Sint Maarten eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Den Haag startete eine umfangreiche Hilfsaktion. Foto: Gerben Van Es, Niederländisches Verteidigungsministerium/AP

Hilfe aus Frankreich und den Niederlanden

Nach dem Durchzug von „Irma“ begannen auf den Kleinen Antillen im Südosten der Karibik die Aufräumarbeiten. Vom französischen Übersee-Département Guadeloupe aus wurden 400 Gendarmen und 400 Feuerwehrleute in das Gebiet geschickt. Zwei Fregatten, zwei Aufklärungsflugzeuge, Transportflugzeuge und Helikopter waren im Einsatz. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May vereinbarten eine enge Zusammenarbeit, um das Ausmaß der Zerstörung zu erfassen und die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren.

Niederländische Marinesoldaten trafen mit ersten Hilfsgütern auf Sint Maarten ein. Sie sollten helfen, den Flughafen und den Hafen wieder instandzusetzen. Zwei Flugzeuge der niederländischen Streitkräfte mit Hilfsgütern waren unterwegs zu der Insel. Sie hatten unter anderem Trinkwasser und Nahrung für die etwa 40 000 Einwohner an Bord. Auch zahlreiche Karibikurlauber waren vom Hurrikan betroffen. In der Dominikanischen Republik brachten die Behörden rund 7500 Touristen in Sicherheit. In Kuba wurden rund 36 000 Urlauber von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, wie das staatliche Fernsehen berichtete.   

Sorge um Haiti

Mit Sorge blickten Hilfsorganisationen auf das bitterarme Haiti. Dort leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und Hurrikan „Matthew“ im vergangenen Jahr. Viele Haitianer leben in provisorischen Unterkünften und sind schlecht auf einen neuerlichen Tropensturm vorbereitet. „Mit jeder Naturkatastrophe verschlechtert sich die Lage der Menschen“, sagte Catherine Stubbe von der Hilfsorganisation Handicap International. „Wenn sie sich gerade von einem Unglück erholt haben, kommt das nächste.“ Hilfsorganisationen und die Behörden brachten sich am Donnerstag im Norden von Haiti in Stellung. Techniker, Mediziner und Rettungskräfte stünden bereit, um zu helfen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Nichtregierungsorganisationen schafften Hilfsgüter in die besonders gefährdeten Regionen. 

HAPPENING NOW: #Irma batters Turks and Caicos. pic.twitter.com/Y2ykbUpwt3

— Nina Harrelson ? (@NinaHarrelsonTV)

Als immer wahrscheinlicher galt, dass „Irma“ am Samstag auf Florida trifft. Die Vorhersagen der Meteorologen schwanken und können sich ändern. Nach letzten Modellen könnte die Millionenmetropole Miami allerdings voll von „Irma“ erfasst werden. 

Gouverneur Rick Scott rief die Einwohner des US-Bundesstaates zu äußerster Vorsicht auf. Der bevorstehende Sturm sei in vielen Teilen Floridas lebensgefährlich. In Floridas Süden, etwa auf der Inselkette der Florida Keys, wurden Evakuierungen angeordnet. Jeder müsse sich darauf vorbereiten, sein Zuhause zu verlassen, sagte Scott.

dpa