So war die Zeit der Flüchtlingsheime in Eving

Fazit nach zwei Jahren

In der ehemaligen Minister-Stein-Förderschule am Gretelweg leben keine Flüchtlinge mehr. Die Johanniter als Betreiber sind dort lediglich noch mit Aufräum- und Rückbauarbeiten beschäftigt. Ende Februar geben sie das Gebäude an die Stadt zurück. Zwei ereignisreiche Jahre Flüchtlingshilfe in Eving gehen zu Ende. Zeit für ein Fazit.

EVING

, 21.01.2017, 04:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Johanniter-Sprecher Martin Vollmer ist es vor allem ein Anliegen, den Evingern zu danken. Die Welle der Hilfsbereitsschaft sei schier überwältigend gewesen. Kurz nach dem Start des Flüchtlingsheims Eving I in der ehemaligen Hauptschule an der Osterfeldstraße (inzwischen geschlossen) Anfang 2015 sei derart viel gespendet worden, dass man sogar einen Stopp erlassen musste.

Gleiches gelte für die nicht materielle Hilfe: Es gab jede Menge Sprachkurse, Kooperationen mit Sportvereinen wie Phönix Eving und eine Vielzahl von anderen Hilfsangeboten. Freundschaften zwischen Ur-Evingern und Flüchtlingen, die bis heute existieren, sind entstanden.

"Durchaus überraschend"

Das alles sei durchaus überraschend gewesen, sagt Vollmer, wenn man sich an die Informationsveranstaltung zum Flüchtlingsheim Eving I in der Segenskirche erinnere, die von Hass gegen alles Fremde geprägt war. In einer weiteren Infoveranstaltung ein paar Wochen später im Saal der Alevitischen Gemeinde wurde noch während der Veranstaltung das erste Spendengeld gesammelt – ein Wellenbad der Extreme.

Die Johanniter loben auch die Zusammenarbeit mit der Polizei sowie mit Bezirksbürgermeister Oliver Stens. Letzterer sei immer ein angenehmer Gesprächspartner auf Augenhöhe gewesen und habe stets für alles ein offenes Ohr gehabt. An dem positiven Fazit haben natürlich auch die Flüchtlinge selbst ihren Anteil, die sich weitgehend unauffällig verhalten haben.

Bewegende Lebensgeschichten

Bewegend sei gewesen, so Andreas Kleff weiter, wenn sie erzählten, warum sie geflüchtet seien. Einmal habe ihm eine Frau aus Syrien ein Handy-Foto von einem offenen Massengrab in Aleppo gezeigt und gesagt: „Da liegen meine Eltern“. Er werde immer wütend, wenn er daran denke und dann manche Aussagen – zum Beispiel von der AfD – zum Thema Flüchtlinge höre.

 

 

Wenn sie noch mal von vorne anfangen müssten, so sagen die Johanniter, würden sie eine Selbstversorger-Einrichtung, wie es Eving II war, gegenüber einer Einrichtung vorziehen, bei der ein Caterer für das Essen sorgt – wie in Eving I.

Eine Tagesstruktur

Die Verpflichtung selbst kochen zu müssen, gibt den Flüchtlingen eine Tagesstruktur und sie lernen sich untereinander besser kennen. Oft ergeben sich Koch-Gemeinschaften. Wichtig sei auch, so Andreas Kleff, den Flüchtlingen so oft wie möglich Angebote außerhalb des Heims zu machen. Die Menschen, die zuletzt im Flüchtlingsheim Eving II am Gretelweg gewohnt haben, sind geschlossen ins letzte noch verbliebene Johanniter-Flüchtlingsheim in Oestrich umgezogen. Was aus dem Gebäude nun wird, weiß auch Bezirksbürgermeister Oliver Stens noch nicht, wie er gestern im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte. Das Gebäude der ehemaligen Hauptschule an der Osterfeldstraße, in dem das Flüchtlingsheim Eving I untergebracht war, wird bekanntlich zum gemeinsamen Grundschulstandort für die Osterfeld- und die Ketteler-Grundschule.