Sokolovs Klavierzauber ist magisch

Klavier-Festival Ruhr

Was für ein Meister. Was für ein stiller Star. Grigory Sokolov ist das Paradebeispiel für einen Antihelden, und trotzdem musste das Klavier-Festival Ruhr beim Konzert des Altmeisters am Freitag im restlos ausverkauften Konzerthaus Dortmund noch 40 Stühle auf die Bühne stellen.

Dortmund

, 28.06.2015, 15:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sokolovs Klavierzauber ist magisch

Pianist Grigory Sokolov faszinierte das Publikum mit seiner großen Kunst.

Eigentlich war das verwunderlich, dass der 65-jährige Russe es zuließ, dass das Publikum ihm so nahe kam, denn man meint, er spiele am liebsten für sich ganz allein.  

Das Licht ist abgedunkelt in den Sälen, in denen Sokolov seine Auftritte zu Ereignissen macht. Tief über die Tasten gebeugt sitzt der Meister am Flügel und ertüftelt sich Klangwelten, die sich viele Jungstars gar nicht erträumen können.

 

Tastenphilosoph

 

Schon in der ersten Bach-Partita wagte das Publikum kaum zu atmen. Mucksmäuschenstill ist es im Saal, wenn Sokolov zaubert. Und es ist magisch, wie er Töne wie aus dem Ei gepellt klingen lässt und ebenmäßig aneinanderreiht, mit den Fingern singt und der Musik so viel Gehalt gibt. Sokolov schafft es, einen weiten Bogen zu spannen von Bach über Beethoven bis zu Schubert. Seine Beethoven-Sonate op. 10,3 atmete schon den Geist eines späten Schubert. Sokolov schürft in er Tiefe, wird nicht von ungefähr Tastenphilosoph und Klangtüftler genannt.

Alles wirkte in dieser Sonate bedeutsam – auch Passagen, in denen im Rondo-Finale Spielfreude dominierte. Das Publikum so in die Musik hineinzuziehen, ist eine Kunst, die kaum einer so beherrscht wie Sokolov.  

Klangregisseur  

Auch in der a-Moll-Sonate von Schubert fischte er unter er schönen Oberfläche nach Perlen. Ein Seelendrama streichelte er im zweiten Satz aus dem Klavier und ließ im Finale Melodien sprudeln, als wäre es die Moldau von Smetana. Sokolov ist nicht nur Pianist, er ist auch Tonästhet und kluger Klangregisseur.

Und er ist bekannt dafür, dass er dem Publikum mit den Zugaben einen dritten Konzertteil schenkt. Auch diesmal setzte sich der Meister sechs Mal erneut an den Flügel und spielte vier Mazurken und ein Prélude von Chopin sowie einen Walzer von Gribojedow.

Am 8. Mai 2016 spielt Sokolov wieder im Konzerthaus Dortmund.