Sommernachtstraum mit Shakespeare zum Saisonfinale

Philharmonie Essen

"Blast, Winde! Sprengt die Backen", wetterte Joachim Król am Samstag bei seiner Einleitung zum alljährlichen "Sommernachtstraum" in der Philharmonie Essen. Dazu gab's von der Technik Donner, Blitze, Regengeräusche. Ganz wie das deutsche Sommerwetter draußen, mochte man meinen. Zum 400. Todestag von Shakespeare stand die gemeinsame Veranstaltung von Philharmonie und Aalto-Theater einmal wieder ganz im Zeichen des großen englischen Dramatikers.

ESSEN

, 26.06.2016, 13:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sommernachtstraum mit Shakespeare zum Saisonfinale

Joachim Król rezitierte mit vielen Gesten Shakespeare.

Regisseurin Claudia Isabel Martin spannte bei dem dreiteiligen Abend den Bogen von Liedern der Shakespeare-Zeit bis zu Prokofjews "Romeo und Julia"-Ballett. Und Schauspieler Joachim Król als Stargast begeisterte - wie vor wenigen Wochen bei den Ruhrfestspielen - als Rezitator.

Auf einem Baumstumpf sitzend, vor sich ein weiterer abgesägter Stamm als Lesepult, rezitierte er  in sprachlich flexibler Gestaltung diverse Shakespeare-Monologe. Nur zuschauen wollte man ihm dabei nicht unbedingt angesichts doch sehr gleichförmiger Gesten mit immer wieder expressiv ausgestrecktem rechtem Arm.

Countertenor wurde von der Laute begleitet

Der mit Król in fliegendem Wechsel agierende Countertenor Jake Arditti machte mehr her: Auswendig singend, durchwanderte er den Raum, schlüpfte in Rollen und nahm direkten Kontakt zum Publikum auf.

Und das mit einer faszinierenden, einschmeichelnden wie substanzvollen Stimme, von Jamie Akers fein auf der Laute begleitet.

Orchestrale Fülle

Dieser Intimität stand orchestrale Fülle entgegen.  Die Essener Philharmoniker unter Leitung ihres rhythmischen Vortänzers Antony Hermus tauchten ein in die schillernde Welt romantischer Shakespeare-Vertonungen. Da durfte Mendelssohns berühmte „Sommernachtstraum“-Ouvertüre nicht fehlen.

Es erklang Musik aus Verdis „Otello“ und dem von Shakespeares „Maß für Maß“ inspirierten Wagnerschen „Liebesverbot“. Die „Béatrice et Bénédict“-Ouvertüre von Berlioz kam spritzig daher, durchsichtig die „Hamlet“-Schauspielmusik von Schostakowitsch, mitreißend die „Romeo und Julia“-Ouvertüre von Tschaikowsky.

Kein tragisches Ende

Fünf Szenen aus Prokofjews "Romeo und Julia" gab’s als Zugabe, vor dem Orchester das hinreißende Aalto Ballett, angeführt von Liam Blair als Romeo und Yuki Kishimoto als Julia. Das tragische Ende wurde ausgeblendet. Ein Sommernachtstraum eben.

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