Southern Rock statt Country im Wittener Burghof

"Miss Behavin'"

WITTEN Bad banks haben Konjunktur, bad girls wie "Miss Behavin'", die Frau, die sich daneben benimmt, ebenso. Offenbar schickt es sich für Frauen ihrer Heimat nicht, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen.

von Von Martin Schreckenschläger

, 05.07.2009, 14:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
»Miss Behavin'« Leslie Mari Morgan, Frontfrau der gleichnamigen Country-Formation, brachte Schwung in den Burghof.

»Miss Behavin'« Leslie Mari Morgan, Frontfrau der gleichnamigen Country-Formation, brachte Schwung in den Burghof.

Genau das aber tut die Texanerin Leslie Mari Morgan als Frontfrau der Band "Miss Behavin'". 2002 fand sich die Formation in Deutschland, tourt seither durch Europa, Amerika und Afrika, ist Gast der größten Festivals der Szene. Die zweifache "Country-Sängerin des Jahres" bevorzugt Open-Air-Auftritte, das große Publikum. Eher beschaulich traf sie es da in Wittens Burghof.Der Stetson allein macht noch keinen Country

In Southern Rock münzten die Musiker auch das traditionelle Repertoire um. Olaf Scherf zog die E-Gitarre der Steel- oder Slide-Guitar vor. Keyboarder und Fiddler Miro Andewall brachte gar keine akustisch spielbare Geige mit. Bassist Johannes Kassenberg legte nur für wenige Titel den E-Bass beiseite, ließ auch den Kontrabass nicht unverkabelt.

Gegen die harten Beats des Schlagzeugers nutzten auch die akustische Gitarre der Frontfrau und ihr prägnanter Gesang nichts - die Musik blieb rockig. Der Stetson allein macht noch keinen Country.Plastik statt Jute

Mit "Jambalaya", dem Klassiker von Hank Williams, spürte man zum ersten Mal, dass ein Titel den Erwartungen des Publikums entgegen kam. Johnny Cashs "I Walk The Line" oder Lee Hazelwoods Hit "These Boots Are Made For Walking" lagen auf Kurs, blieben im Arrangement aber modernistischer Aufguss originärer Country-Musik, Plastik statt Jute. Selbst beim angekündigten Unplugged-Set blieben die Stecker drin. Mit optischer Kosmetik anstelle ehrlichen Instrumentalspiels, hämmernden Rhythmen statt gefühlvoller Intonation, gab sich die Band zufrieden.Schatten von Country-Musik

Mit "That's All Right, Mama" schlugen die Essener eine Brücke zum Rock. Songs aus den 70ern, beginnend mit Stephen Stills "Love The One Your With", ebenso Eric Claptons "Lay Down Sally" oder "Sweet Home Alabama" entsprachen eher dem Stil der Musiker.

Ein konturloser Schatten von Country-Musik ist an Witten vorbeigehuscht. Vielleicht zeigt "Miss Behavin'" bei ihrem nächsten Besuch einmal wirklich unplugged, was sie kann.