Spaltung des Arbeitsmarktes verhindern

Umschulungen

Für Menschen ohne Ausbildung wird der Zugang zum Arbeitsmarkt immer schwieriger. Aus diesem Grund will die Agentur für Arbeit in Bochum und Herne verstärkt auf ihre Umschulungs- und Teilqualifikationsmaßnahmen aufmerksam machen.

BOCHUM

, 12.08.2015 / Lesedauer: 3 min

Denn nur durch eine Weiterbildung lasse sich das Schreckensszenario einer Arbeitsmarktspaltung verhindern, so Luidger Wolterhoff (Foto), Leiter der Bochumer Agentur für Arbeit. „Fast 60 Prozent der 18.000 Arbeitslosen in Bochum haben keine fundierte Ausbildung“, sagt Wolterhoff – und das wird zunehmend zu einem Problem.

Denn den unqualifizierten Arbeitslosen stehen wachsende Ansprüche der Wirtschaft gegenüber. „Die klassischen Helfertätigkeiten werden immer seltener angeboten. Stattdessen suchen die Unternehmen verstärkt Fachkräfte“, sagt er. Doch auf solche Stellen können sich die nicht-qualifizierten Arbeitslosen nur schwerlich bewerben. „Im Extremfall droht irgendwann die vollkommene Spaltung des Arbeitsmarktes“, so Wolterhoff.

Hemmschwelle

Der Leiter der Bochumer Agentur für Arbeit hat Verständnis dafür, dass es bei Umschulungen eine Hemmschwelle gibt: „Da sind die finanziellen Aspekte. Manche Menschen arbeiten ein halbes Jahr und sind dann ein halbes Jahr arbeitslos. Da kann eine Umschulung schon ein Einschnitt sein“, sagt er und spricht davon, dass sich manch einer vielleicht auch nicht mehr die notwendigen Lernerfolge bei solchen Maßnahmen zutraut.

Doch auch diesen Menschen will die Agentur für Arbeit helfen – und bietet Teilqualifikationen an. „Da ist die Umschulung in vier Teile gegliedert. Somit kann man sich in dem Zeitraum fortbilden, in dem man arbeitslos ist und hat vielleicht ein halbes Jahr später schon Aussichten auf eine besser bezahlte Stelle“, so Wolterhoff.

Hohe Kosten

Die Agentur für Arbeit wolle jedoch niemanden in eine solche Maßnahme drängen – und auch niemanden für einen Job qualifizieren, den er nur ungerne machen will. „Motivation ist Voraussetzung‘“, sagt er und nennt das Beispiel von einer Hilfskraft im Lager, die sich im Bereich Logistik qualifizieren lässt.

Doch auch in vielen anderen Bereichen sieht Wolterhoff Bedarf an Fachkräften: „Firmen suchen Berufskraftfahrer oder Handwerker in der Metall- und Holzverarbeitung, aber auch Erzieher und Altenpfleger werden gesucht.“

Rund 150 Menschen aus ihrem Zuständigkeitsbereich will die Bochumer Agentur für Arbeit in diesem Jahr in eine Umschulungs- oder Teilqualifikationsmaßnahme bringen – und das mit hohem finanziellen Aufwand.

Zwischen 10.000 und 20.000 Euro kann eine Umschulung kosten. Doch das lohne sich: „70 bis 80 Prozent der Menschen finden im Anschluss einen Job“, so Wolterhoff.