Spardebatte legt Server lahm

Bürgerforum

Mit dem Start des Bochumer Bürgerforum wurden die Server der Stadt kurzfristig lahmgelegt. Das Interesse an der Spardebatte ist riesig. Am ersten Tag gab es bereits mehr als 4000 Kommentare - die von zwei Mitarbeitern gelesen und freigeschaltet werden müssen. Macht 2000 pro Nase. Die Stadt bittet daher um etwas Geduld, wenn es länger dauert.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 13.01.2012, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ralph Leitmann vom Informationsamt war den ganzen Freitag damit beschäftigt, die Beiträge aus dem Bürgerforum freizuschalten.

Ralph Leitmann vom Informationsamt war den ganzen Freitag damit beschäftigt, die Beiträge aus dem Bürgerforum freizuschalten.

Mit dem Start des Bürgerforums wurde die Internetseite der Stadt regelrecht überrannt. Täglich besuchen im Schnitt 120 000 Menschen die Seite. Am Freitag waren es mehr als doppelt so viele. Die Server standen kurzzeitig vor dem Zusammenbruch. „Da mussten wir ein bisschen herumschrauben“, sagt Ralph Leitmann. „Selbst bei Wahlen haben wir nicht so einen Zugriff.“ Die Serverauslastung am Freitag lag kontinuierlich zwischen 95 und 100 Prozent. Dieser Ansturm überraschte selbst die Befürworter der Online-Befragung. „Seht zu, dass ihr zuerst die Bürgervorschläge bearbeitet“, befahl Matthias Schröder, der das Bürgerforum koordiniert. Allein davon gab es 40 Stück. Zweite Bilanz des ersten Tages vom Bürgerforum: Die Bochumer nehmen die Diskussion ernst. Von den mehr als 4000 Kommentaren, wurden gerade mal vier nicht freigeschaltet. „Da hieß es dann, im Rathaus werde eh nur gesoffen“, erklärt Ralph Leitmann, was durch das Raster seiner kritischen Augen fällt. Um beleidigende Beiträge aus der Debatte herauszuhalten, muss jeder Kommentar gelesen und freigegeben werden.

Zudem gilt es, doppelte Beiträge von ein und derselben Person herauszufiltern. „Ein paar meinen, sie müssten hier mehrfach abstimmen“, sagt Leitmann. Am Freitag waren dafür im Rathaus gerade Mal zwei Mitarbeiter eingeteilt. Als Leitmann kurz nach 15 Uhr das Rathaus verlassen hat, standen noch immer einige Kommentare in der Warteschlange. „Ich komme am Samstag wieder“, sagte er, bittet die Bochumer jedoch um etwas Geduld: „Wir bearbeiten alles. Es dauert aber etwas länger.“ Inhaltlich bestimmen Bildung und Kultur sowie Steuern die Debatte. In den eigenen Sparvorschlägen sprechen sich viele Bürger gegen den Bau des Musikzentrums aus. Sie befürchten zu hohe Unterhaltungskosten. Ein anderer Vorschlag: Kassierer in Schwimmbädern durch Kassenautomaten zu ersetzen und kein Geld durch „zu heiße Duschen“ zu verschwenden.

Interessant: Die Bochumer sind keineswegs gegen alle Sparmaßnahmen. Die Erhöhung des Eintritts im Museum stößt beispielsweise auf Akzeptanz. Zitat: „Solange der Eintrittspreis sich unter dem Preis einer Schachtel Zigaretten bewegt, kann er kein Hindernis sein.“ Für eine Schließung gibt es dagegen keine Mehrheit.