Spaten-Angriff auf Polizisten - Beamte schießen

Mann rastet in Lütgendortmund aus

Aus dem Nichts hat ein Mann am Mittwochabend mehrere Kinder während eines Trainings auf dem Sportplatz an der Idastraße in Lütgendortmund belästigt. Als Polizisten den Mann beruhigen wollten, griff er sie mit einem Spaten an und verletzte zwei Beamte. Am Ende wurde geschossen.

LÜTGENDORTMUND

, 05.04.2017, 19:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Ein offenbar verwirrter Mann ist am Mittwochnachmittag auf dem Sportplatz der SG Lütgendortmund an der Idastraße aufgetaucht
  • Er belästigte dort Kinder, die gerade Fußballtraining hatten, und deren Eltern
  • Als eine Polizeistreife vor Ort ankam, griff der Mann sie plötzlich an und verletzte sie
  • Ein weiteres Streifenteam entdeckte den Mann kurze Zeit später in einer nahen Gartenanlage
  • Als er mit einem Spaten auf die Beamten losgehen wollte und nicht auf Warnschüsse reagierte, setzte ihn ein Polizist mit einem Schuss ins Bein außer Gefecht
  • Der Fall wird nun durch die Staatsanwaltschaft Recklinghausen untersucht
  • SG-Vorsitzender: Kinder waren zu keiner Zeit in Gefahr

Aktualisierung Donnerstag, 16 Uhr: Zustand des Angeschossenen Mannes ist "stabil"

In dem Fall mit Tatort in Dortmund ermittelt aus Neutralitätsgründen die Polizei in Recklinghausen. Die Polizei dort berichtete am Donnerstagnachmittag, dass der Mann, der auf dem Sportplatz randaliert hatte, 39 Jahre alt sei. In dem Bericht der Polizei steht, dass der Mann aus Polen stamme. Sein Gesundheitszustand sei "stabil". Laut Staatsanwaltschaft und Polizei seien die von ihm angegriffenen und verletzten Polizisten dienstunfähig. Der Mann soll gelegentlich auf Baustellen gearbeitet haben.

Oberstaatsanwalt Carsten Dombert sagte, dass das merkwürdige Verhalten des Mannes auf dem Sportplatz den Schluss zulasse, dass dieser psychisch krank sei. Auch das würden die Ermittler untersuchen.

Aktualisierung Donnerstag, 14:17 Uhr: Das sagen Verein und Staatsanwaltschaft

Wir haben mit dem Geschäftsführer der SG Lütgendortmund und der Staatsanwaltschaft Dortmund über den Vorfall auf dem SG-Sportplatz am Mittwochnachmittag gesprochen.

Der SG-Geschäftsführer Marc Görgens sagte am Donnerstagmittag, dass der unbekannte Mann auf dem Sportplatz bei Trainern, Betreuern und Eltern einen verwirrten Eindruck hinterlassen habe, so dass die Polizei gerufen wurde. Marc Görgens: "Dieser Mann ist dann auf die Polizisten los gegangen." Der Geschäftsführer des Vereins sagte, dass für die Kinder zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden habe. Nicht alle Kinder hätten das Geschehen mitbekommen. "Als die Schüsse fielen, waren die Kinder längst sicher in der Kabine. Da sind dann auch Tränen geflossen", sagte er.

Der Vereine will jetzt feststellen, ob die Kinder Hilfsangebote benötigen und dann Angebote unterbreiten. Marc Görgens: "Für die Polizisten war das eine schwierige Situation. Wir möchten uns bei der Polizei dafür bedanken, dass für unsere Kinder keine Gefahr bestanden hat."

Zu den Ermittlungen äußerte sich auch Oberstaatsanwalt Carsten Dombert. Nach aktuellen Erkenntnissen habe der Angreifer, der barfuß auf dem Sportplatz herumgelaufen war und Kinder und Eltern angeschrien hatte, auf die Ansprache durch die Polizisten aggressiv und mit Widerstand reagiert. Einem Polizisten verpasste er einen Kopfstoß. Der Mann habe dann Zugriff auf den Schlagstock des Polizisten gehabt und eine Polizistin verletzt. Das Team der Polizei habe dann nicht mehr reagieren können.

Ein weiteres Streifenteam der Polizei habe den Angreifer dann in einer Gartenanlage entdeckt. Der Mann habe sich dort mit einem Gartenwerkzeug bewaffnet. Dann seien von zwei Polizisten zunächst Warnschüsse gefallen. Schließlich habe einer der Polizisten gezielt auf ein Bein des Mannes geschossen und dabei einen Oberschenkeldurchschuss bewirkt. Der Mann wurde verletzt, ist in einem Krankenhaus operiert worden und werde durch die Polizei bewacht.

Der Oberstaatsanwalt: "Was sich in dem Garten genau zugetragen hat, wissen wir zurzeit noch nicht. Das müssen die Zeugenaussagen und weitere Spuren ergeben." Dafür seien die Dienstwaffen der Polizisten sichergestellt und Schmauchspuren untersucht worden.

Aktualisierung Donnerstag, 9:45 Uhr: Polizei Recklinghausen ermittelt

Nach den Schüssen auf einen aggressiven Mann am Mittwochabend in Lütgendortmund ermittelt jetzt die Kriminalpolizei in Recklinghausen in dem Fall. Das Kriminalkommissariat 11 der Polizei im Kreis Recklinghausen muss feststellen, ob der Einsatz der Schusswaffe den Vorschriften entsprochen hat, da der Randalierer, der auch Eltern und Kinder bedroht und belästigt hat, durch die Schüsse verletzt wurde.

Eine Sprecherin der Polizei in Recklinghausen sagte über die Ermittlungen: "Dass ein anderes Polizeipräsidium die Ermittlungen übernimmt, ist aus Neutralitätsgründen üblich." In die Ermittlungen ist die Staatsanwaltschaft eingebunden. Ob der Polizist aus Notwehr geschossen hat oder andere Personen vor Gewalt schützen musste, ist genau nachzuweisen.

Erstmeldung Mittwoch, 19.31 Uhr: Mann verletzte Polizisten mit Spaten

Gegen 17.40 Uhr ging ein Mann nach bisherigen Erkenntnissen völlig unvermittelt auf Kinder und auch auf deren Eltern los. Er belästigte sie, schrie sie an und begann zu randalieren. Zu der Zeit wurde auf dem Sportplatz in Lütgendortmund trainiert. Die alarmierten Polizisten hatten nach ihrem Eintreffen alle Hände voll zu tun, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Wie Polizeisprecher Sven Schönberg mitteilte, versuchten die Beamten zunächst mit Worten beruhigend auf den Randalierer einzuwirken. "Das ging nicht", so Schönberg. Sehr bald wurde dann Pfefferspray eingesetzt, um den Angreifer von den Eltern und ihren Kindern zu trennen. Das Pfefferspray wirkte allerdings nicht. Die Situation verlagerte sich dann zum Lütgendortmunder Hellweg, wo der Mann die Scheibe einer Laube einschlug. Er schnappte sich einen Spaten und ging damit auf die Polizisten los. Mindestens zwei Polizisten wurden, so Schönberg, verletzt.

Schließlich machten die Polizisten von ihrer Schusswaffe Gebrauch und der Randalierer wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Dies bestätigte die Polizei am Abend. Die Polizei bezeichnete den Täter als einen offensichtlich verwirrten Mann. Zu seiner Identität konnte noch nichts mitgeteilt werden. Die Ermittlungen vor Ort dauerten bis in den späten Abend.

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