SPD fordert Kehrtwende

Atomenergie

Die Bochumer SPD will jetzt die Chance nutzen, aus der Kernenergie auszusteigen. Ein kommunales Bündnis soll die Mechanismen des Energiemarktes beeinflussen. Die Stadtwerke sind nicht abgeneigt, hürdenlos ist ein Ausstieg jedoch nicht.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 22.03.2011, 14:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Atomkraftwerk von innen. Die SPD will ein breites Bündnis gegen den Vertrieb von Atomstrom aufbauen.

Ein Atomkraftwerk von innen. Die SPD will ein breites Bündnis gegen den Vertrieb von Atomstrom aufbauen.

Das ist leicht gesagt. Dessen sind sich beide bewusst. Die Komplexität der Energiewirtschaft macht einen Ausstieg von heute auf morgen unmöglich. Zwar sind die Bochumer Stadtwerke bereits führend, was den Anteil erneuerbarer Energien betrifft. Auf die Zusammenstellung, den sogenannten Energie-Mix, des zugekauften Stroms haben die Stadtwerke jedoch keinen Einfluss. Noch nicht. Nach dem Willen der SPD soll sich ein breites Bündnis kommunaler Energieversorger bilden und mit gebündelter Marktmacht auf die Produzenten einwirken. Die Stadtwerke fordern die Genossen auf, Schritte und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie auf den Bezug von Kernenergie verzichtet werden kann. „Veränderungen von Marktmechanismen sind möglich“, sagt Eiskirch. Sein Beleg: Wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass es heute Pflicht ist, erneuerbare Energien zuerst ins Netz einzuspeisen.

Bei den Stadtwerken stößt der Vorstoß keinesfalls auf Ablehnung. Je grüner der Strom, desto glücklicher die Stadtwerke. Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit müssten dabei jedoch im Auge behalten werden. Unterdessen können sich die Stadtwerke vor Anfragen nach Öko-Strom, vor allem nach Wasserenergie aus Österreich, kaum retten. 250 Anfragen gab es in den vergangenen eineinhalb Wochen. „Das ist ein vielfaches von dem, was Kunden sonst anfragen“, so Heike Paplewski, Sprecherin der Stadtwerke. Es seien bereits zehn Verträge unterschrieben worden. Weitere werden wohl folgen. Die Stadt Bochum deckt ihren Strombedarf übrigens über Öko-Strom ab.